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Manfred Bruns

Manfred Bruns

27. August 2025

Chronische Niereninsuffizienz: Diagnose & Stadien einfach erklärt

Chronische Niereninsuffizienz: Diagnose & Stadien einfach erklärt

Inhaltsverzeichnis

Die Diagnose einer chronischen Niereninsuffizienz (CKD) ist ein entscheidender Schritt, um die Gesundheit Ihrer Nieren zu verstehen und zu erhalten. In diesem Artikel führe ich Sie detailliert und verständlich durch die verschiedenen diagnostischen Verfahren. Denn nur wer den Prozess versteht, kann aktiv mitwirken und Ängste abbauen, wenn es um die Gesundheit der Nieren geht.

Chronische Niereninsuffizienz: So wird die Erkrankung präzise diagnostiziert

  • Die Diagnose stützt sich auf eine Kombination aus Anamnese, Blut- und Urinuntersuchungen sowie bildgebenden Verfahren.
  • Die Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) ist der wichtigste Blutwert zur Bestimmung der Nierenfunktion; Kreatinin und Cystatin C sind ergänzende Marker.
  • Albumin im Urin ist ein frühes Warnsignal für Nierenschäden und wird quantitativ mittels Albumin-Kreatinin-Quotient gemessen.
  • Ultraschall ist das Standardverfahren zur Beurteilung von Nierengröße und -struktur, während CT/MRT bei spezifischen Fragestellungen zum Einsatz kommen.
  • Die Nierenbiopsie ist der Goldstandard, wenn die Ursache der Nierenerkrankung unklar bleibt.
  • Die KDIGO-Klassifikation teilt die Erkrankung anhand von GFR und Albuminurie in Stadien ein, um Schweregrad und Prognose zu bestimmen.

Nierenfunktion Diagramm

Warum eine frühe Diagnose Ihre Zukunft entscheidend beeinflusst

Die chronische Niereninsuffizienz entwickelt sich oft schleichend, über Jahre hinweg, und bleibt lange Zeit unbemerkt. Viele Betroffene spüren zunächst keine Symptome, während die Nierenfunktion allmählich nachlässt. Genau hierin liegt die Gefahr: Wenn die Krankheit erst spät entdeckt wird, sind die Nieren oft schon erheblich geschädigt. Eine frühzeitige Diagnose ist daher von unschätzbarem Wert. Sie ermöglicht es uns, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, das Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Nierenversagen zu minimieren und die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Es ist, als würden Sie ein Warnlicht im Armaturenbrett Ihres Autos bemerken je früher Sie reagieren, desto größer ist die Chance, einen größeren Schaden zu verhindern.

Ihr Arztgespräch: Der erste Schritt zur Diagnose

Alles beginnt mit einem Gespräch. Ihr Arzt wird sich Zeit nehmen, um Ihre Krankengeschichte (Anamnese) gründlich zu erheben. Dabei geht es darum, potenzielle Risikofaktoren aufzuspüren, die Ihre Nieren beeinträchtigen könnten. Dazu gehören Fragen zu chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck, aber auch zu bestehenden Herzerkrankungen oder einer möglichen familiären Vorbelastung mit Nierenerkrankungen. Ebenso wichtig ist die Abfrage von Medikamenten, die die Nieren schädigen könnten denken Sie hier vor allem an bestimmte Schmerzmittel wie NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika). Ergänzend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der insbesondere der Blutdruck gemessen und auf Anzeichen von Wassereinlagerungen (Ödemen) geachtet wird, die auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hindeuten können.

Was Ihr Blut über die Nierenfunktion verrät

Das Blut liefert uns entscheidende Hinweise auf die Leistungsfähigkeit Ihrer Nieren. Verschiedene Laborwerte geben Aufschluss darüber, wie gut die Filterfunktion der Nieren noch ist.

Die GFR: Der wichtigste Indikator für Ihre Nierenfunktion

Die Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) ist der Königsweg zur Beurteilung der Nierenfunktion. Sie gibt an, wie viel Blutvolumen Ihre Nieren pro Minute von Abfallprodukten reinigen. Ein Wert, der über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten konstant unter 60 ml/min/1,73 m² liegt, ist ein deutliches Warnsignal für eine chronische Niereninsuffizienz. In der Praxis wird die GFR meist nicht direkt gemessen, sondern als geschätzte GFR (eGFR) mithilfe von Formeln wie der CKD-EPI-Formel berechnet. Diese Formeln berücksichtigen Ihr Alter, Ihr Geschlecht und Ihre Hautfarbe, um aus Ihrem Kreatininwert eine möglichst genaue Schätzung zu erhalten.

Kreatinin und Harnstoff: Was diese Abbauprodukte verraten

Kreatinin ist ein Stoffwechselendprodukt, das hauptsächlich aus dem Muskelabbau entsteht und von den Nieren ausgeschieden wird. Wenn die Nierenfunktion nachlässt, sammelt sich Kreatinin im Blut an, und seine Konzentration steigt. Allerdings ist der Kreatininwert auch von der Muskelmasse abhängig wer mehr Muskeln hat, hat tendenziell auch einen höheren Kreatininwert. Daher ist er allein nicht immer ein perfekter Indikator. Ähnlich verhält es sich mit Harnstoff, einem weiteren Abbauprodukt, dessen Spiegel im Blut ebenfalls ansteigt, wenn die Nieren nicht mehr richtig filtern.

Cystatin C: Der moderne und oft genauere Marker

Hier kommt Cystatin C ins Spiel. Dieser Marker wird von praktisch allen Körperzellen produziert und ebenfalls über die Nieren ausgeschieden. Der entscheidende Vorteil: Seine Konzentration im Blut ist unabhängig von der Muskelmasse. Daher gilt Cystatin C als ein modernerer und oft genauerer Marker zur Schätzung der GFR, insbesondere wenn die Ergebnisse aus dem Kreatininwert unklar sind oder bei Patienten mit sehr viel oder sehr wenig Muskelmasse. In Deutschland wird die Bestimmung von Cystatin C zur GFR-Schätzung zunehmend empfohlen.

Urinanalyse: Frühe Warnsignale erkennen

Der Urin gibt uns ebenfalls wichtige Einblicke in die Gesundheit Ihrer Nieren. Bestimmte Substanzen im Urin können auf frühe Schäden hinweisen, noch bevor die Nierenfunktion im Blut messbar eingeschränkt ist.

Albumin im Urin: Das früheste Warnsignal

Das Vorhandensein von Albumin im Urin, auch Albuminurie genannt, ist oft das früheste und sensibelste Anzeichen für eine Schädigung der Nierenfilter, der sogenannten Glomeruli. Normalerweise sind diese Filter so feinmaschig, dass sie große Eiweißmoleküle wie Albumin zurückhalten. Wenn die Filter beschädigt sind, sickert Albumin durch und gelangt in den Urin. Ein erster Hinweis kann hierbei ein einfacher Urin-Teststreifen geben.

Albumin-Kreatinin-Quotient: Wie der Schaden präzise gemessen wird

Wenn ein Teststreifen Albumin im Urin anzeigt, ist der nächste Schritt eine genauere quantitative Messung. Hierfür wird der sogenannte Albumin-Kreatinin-Quotient (ACR) im Spontanurin bestimmt. Dieser Quotient hilft, die Albuminmenge unabhängig von der Konzentration des Urins zu bewerten und gibt somit ein präziseres Bild über das Ausmaß des Nierenschadens.

Was das Urinsediment über die Ursache verrät

Neben Albumin können auch andere Bestandteile im Urin auf eine Nierenerkrankung hinweisen. Bei der mikroskopischen Untersuchung des Urins, dem sogenannten Urinsediment, können beispielsweise rote Blutkörperchen (Erythrozyten) oder spezifische Zylinder (Eiweißzylinder) entdeckt werden. Diese Funde können wichtige Hinweise auf die zugrundeliegende Ursache der Nierenerkrankung geben, beispielsweise auf entzündliche Prozesse.

Nieren Ultraschall Bild

Bilder Ihrer Nieren: Was Ultraschall, CT und MRT zeigen

Um die Struktur Ihrer Nieren genauer zu beurteilen und mögliche Auffälligkeiten sichtbar zu machen, kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz.

Ultraschall als Standard: Was die Sonographie Ihrer Nieren zeigt

Der Ultraschall (Sonographie) ist die Standardmethode zur Untersuchung der Nieren. Mit Schallwellen können Größe, Form und Beschaffenheit der Nieren dargestellt werden. Auffälligkeiten wie Zysten, Tumore oder ein Harnstau lassen sich so gut erkennen. Bei einer fortgeschrittenen chronischen Nierenschädigung zeigen sich die Nieren im Ultraschall oft typischerweise verkleinert, und die Nierenrinde, die funktionell wichtigste Schicht, ist verschmälert.

Wann CT und MRT zum Einsatz kommen

CT (Computertomographie) und MRT (Magnetresonanztomographie) werden in der Nierendiagnostik seltener eingesetzt. Sie kommen dann zum Zuge, wenn spezifische Fragen offen sind, die im Ultraschall nicht eindeutig geklärt werden können. Dies kann beispielsweise bei Verdacht auf bestimmte Tumore oder bei komplexen Zystennieren der Fall sein.

Nierenbiopsie: Wenn eine Gewebeprobe Klarheit schafft

Was ist eine Nierenbiopsie und warum ist sie manchmal unerlässlich?

Manchmal reichen die bisherigen Untersuchungen nicht aus, um die genaue Ursache einer Nierenerkrankung zu identifizieren. In solchen Fällen kann eine Nierenbiopsie notwendig sein. Dabei wird unter lokaler Betäubung eine kleine Gewebeprobe aus der Niere entnommen. Diese Probe wird dann unter dem Mikroskop feingeweblich untersucht. Die Nierenbiopsie ist der Goldstandard zur Diagnose vieler entzündlicher Nierenerkrankungen, wie zum Beispiel verschiedener Formen der Glomerulonephritis, und liefert damit entscheidende Informationen für die weitere Therapie.

Ablauf und Risiken: Was Sie über die Gewebeentnahme wissen müssen

Die Nierenbiopsie wird in der Regel mit einer dünnen Nadel durchgeführt, während Sie auf dem Bauch liegen. Die Einstichstelle wird lokal betäubt, sodass Sie nur einen leichten Druck spüren. Die häufigsten Risiken sind geringfügig und beschränken sich meist auf leichte Blutungen an der Einstichstelle oder vorübergehende Schmerzen. Schwerwiegendere Komplikationen sind selten.

KDIGO Klassifikation Tabelle

Ihre Nierenfunktion verstehen: Die KDIGO-Klassifikation

Um den Schweregrad einer chronischen Niereninsuffizienz einheitlich zu beschreiben und die Prognose besser einschätzen zu können, gibt es international anerkannte Klassifikationssysteme. Das wichtigste ist die Einteilung nach den KDIGO-Leitlinien.

Die KDIGO-Klassifikation verständlich erklärt: GFR- und Albuminurie-Stadien

Die KDIGO-Klassifikation teilt die chronische Niereninsuffizienz in zwei Hauptdimensionen ein: die GFR-Stadien (G-Stadien) und die Albuminurie-Stadien (A-Stadien). Diese Kombination erlaubt eine sehr präzise Einschätzung des aktuellen Zustands Ihrer Nieren und des Risikos für ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung.

Stadium (G) GFR (ml/min/1,73 m²) Beschreibung
G1 ≥ 90 Nierenschaden bei normaler oder erhöhter GFR
G2 60-89 Leicht eingeschränkte GFR
G3a 45-59 Leicht bis mäßig eingeschränkte GFR
G3b 30-44 Mäßig bis stark eingeschränkte GFR
G4 15-29 Stark eingeschränkte GFR
G5 < 15 Nierenversagen (Niereninsuffizienz im Endstadium)

Zusätzlich werden die Stadien der Albuminurie (A1, A2, A3) berücksichtigt, die das Ausmaß des Eiweißverlusts über den Urin beschreiben. Ein Stadium A1 bedeutet eine geringe Albuminurie, während A3 eine starke Albuminurie anzeigt.

Was Ihr persönliches CKD-Stadium für Ihre Behandlung und Prognose bedeutet

Ihr individuelles CKD-Stadium, ermittelt aus der Kombination von GFR und Albuminurie, ist entscheidend für die weitere Behandlungsplanung und die Einschätzung Ihrer Prognose. Es hilft Ihrem Arzt zu verstehen, wie schnell sich die Krankheit voraussichtlich entwickeln wird und welche spezifischen Therapien am wirksamsten sind. Die Behandlung wird dann gezielt darauf ausgerichtet, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, mögliche Komplikationen zu managen und Ihre Lebensqualität so gut wie möglich zu erhalten.

Lesen Sie auch: Facharzt Radiologie: Was er macht & welche Untersuchungen er durchführt

Diagnose bestätigt: Wie geht es weiter?

Von der Diagnose zur Therapie: Ein Ausblick auf die Behandlungsmöglichkeiten

Nachdem die Diagnose einer chronischen Niereninsuffizienz gestellt wurde, ist der nächste Schritt die Festlegung einer individuellen Therapie. Diese richtet sich maßgeblich nach dem ermittelten Stadium der Erkrankung und deren Ursache. Oftmals stehen Maßnahmen zur Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle im Vordergrund, da diese Faktoren die Nieren stark beeinflussen. Auch eine angepasste Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Medikamentöse Therapien können eingesetzt werden, um die Nierenfunktion zu schützen und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

Warum eine interdisziplinäre Betreuung jetzt entscheidend ist

Die Behandlung einer chronischen Niereninsuffizienz ist oft komplex und erfordert eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachleute. Neben dem Nephrologen, dem Spezialisten für Nierenerkrankungen, sind oft auch Ihr Hausarzt, Ernährungsberater und gegebenenfalls weitere Facharztkollegen involviert. Eine solche interdisziplinäre Betreuung stellt sicher, dass alle Aspekte Ihrer Gesundheit berücksichtigt werden und Sie die bestmögliche Versorgung erhalten, um Ihre Lebensqualität langfristig zu sichern.

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Manfred Bruns

Manfred Bruns

Ich bin Manfred Bruns und bringe über 15 Jahre Erfahrung im Bereich Gesundheit mit. In dieser Zeit habe ich umfassende Kenntnisse in der Prävention, Gesundheitsförderung und der ganzheitlichen Medizin erworben. Mein akademischer Hintergrund in Gesundheitswissenschaften sowie meine kontinuierliche Weiterbildung in verschiedenen Therapieansätzen ermöglichen es mir, fundierte und evidenzbasierte Informationen zu vermitteln. Meine Spezialisierung liegt in der Aufklärung über gesunde Lebensweisen und die Bedeutung von Prävention für ein langes, erfülltes Leben. Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, seine Gesundheit aktiv zu gestalten, und ich setze mich dafür ein, diese Botschaft zu verbreiten. Durch meine Artikel auf dieser Plattform möchte ich Leserinnen und Leser dazu inspirieren, informierte Entscheidungen zu treffen und ihre Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen. Ich lege großen Wert auf die Genauigkeit und Verlässlichkeit der Informationen, die ich teile. Mein Ziel ist es, eine vertrauensvolle Quelle für alle zu sein, die sich für ihre Gesundheit interessieren und nach praktischen Tipps und wissenschaftlich fundierten Ratschlägen suchen.

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