Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die den ganzen Körper betrifft und oft mit erheblicher Erschöpfung und kognitiven Problemen einhergeht. Das Verständnis der vielfältigen Symptome ist entscheidend, um Betroffenen und ihren Angehörigen Orientierung zu geben und den Weg zu einer angemessenen Behandlung zu ebnen. Es ist eine Erkrankung, die oft unsichtbar ist, aber das Leben der Betroffenen tiefgreifend beeinflusst.
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Fibromyalgie-Symptome: Chronische Schmerzen, Erschöpfung und kognitive Probleme sind die Kernmerkmale.
- Chronische, weit verbreitete Schmerzen sind das Leitsymptom, oft brennend oder ziehend in allen Körperquadranten für mindestens drei Monate.
- Anhaltende, lähmende Müdigkeit (Fatigue) und kognitive Störungen ("Fibro-Fog") wie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme sind weitere Kernsymptome.
- Häufige Begleiterscheinungen umfassen Schlafstörungen, Morgensteifigkeit, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Reizdarmsyndrom und erhöhte Empfindlichkeit auf Reize.
- Die Diagnose erfolgt heute nicht mehr über "Tender Points", sondern mittels Widespread Pain Index (WPI) und Symptom Severity Scale (SSS).
- Die Symptomintensität kann stark schwanken (Schübe), beeinflusst durch Faktoren wie Stress, körperliche Überanstrengung oder Wetterwechsel.
- In Deutschland sind etwa 1,6 Millionen Menschen betroffen, wobei Frauen deutlich häufiger erkranken.

Verstehen Sie die Sprache Ihres Körpers: Die Kernsymptome der Fibromyalgie entschlüsselt
Das unverkennbare Leitsymptom der Fibromyalgie sind chronische, weit verbreitete Schmerzen. Diese Schmerzen sind nicht auf eine bestimmte Stelle beschränkt, sondern manifestieren sich diffus im gesamten Körper. Sie können als tief, brennend, ziehend oder pochend empfunden werden und betreffen sowohl die oberen als auch die unteren Körperhälften, auf beiden Seiten des Körpers kurz gesagt, in allen vier Körperquadranten. Damit die Diagnose Fibromyalgie gestellt werden kann, müssen diese Schmerzen über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten bestehen.
Neben den Schmerzen ist die anhaltende Müdigkeit, oft als Fatigue bezeichnet, ein weiteres zentrales Merkmal dieser Erkrankung. Diese Erschöpfung ist keine normale Müdigkeit, die durch Schlaf oder Ruhe gelindert werden kann. Sie ist tiefgreifend und lähmend, schränkt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit erheblich ein und wird von vielen Betroffenen als belastender empfunden als der eigentliche Schmerz.
Ein drittes Kernsymptom sind die kognitiven Störungen, die umgangssprachlich als "Fibro-Fog" bekannt sind. Hierzu zählen Schwierigkeiten bei der Konzentration und dem Gedächtnis, Probleme, das richtige Wort zu finden (Wortfindungsstörungen) und ein allgemeines Gefühl der geistigen Trägheit oder Verwirrung. Diese Symptome können den Alltag erheblich erschweren und zu Frustration führen.
Die unsichtbaren Begleiter: Welche Symptome oft im Schatten stehen
Neben den drei Kernsymptomen leiden die meisten Menschen mit Fibromyalgie unter einer Reihe weiterer Beschwerden, die oft im Hintergrund stehen, aber die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Ein besonders häufiges Problem sind Schlafstörungen. Viele Betroffene berichten von einem nicht erholsamen Schlaf. Sie wachen morgens auf und fühlen sich trotz einer scheinbar ausreichenden Schlafdauer wie "gerädert", was die Tagesmüdigkeit weiter verstärkt.
Die Morgensteifigkeit ist ein weiteres charakteristisches Symptom. Direkt nach dem Aufwachen fühlen sich Gelenke und Muskeln steif und unbeweglich an. Auch tagsüber sind schmerzhafte Muskelverspannungen und -krämpfe, oft im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich, keine Seltenheit und tragen zur allgemeinen Schmerzlast bei.
Darüber hinaus können Fibromyalgie-Patienten von einer Vielzahl weiterer Symptome betroffen sein, die verschiedene Körpersysteme betreffen. Dazu gehören chronische Kopfschmerzen, die sowohl vom Spannungstyp sein können als auch Migräne-ähnliche Züge tragen. Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist ebenfalls sehr verbreitet und äußert sich in Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung. Auch die Reizblase, die sich durch häufigen Harndrang bemerkbar macht, tritt häufig auf.
Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die erhöhte Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen Reizen. Dies kann sich in einer gesteigerten Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie) äußern, bei der normale Schmerzreize als stärker wahrgenommen werden, oder in Allodynie, bei der Berührungen, die normalerweise nicht schmerzhaft sind, Schmerzen auslösen. Auch eine erhöhte Sensibilität gegenüber Geräuschen, Licht und Gerüchen ist nicht ungewöhnlich.

Ist es wirklich Fibromyalgie? Wie Ärzte die Symptome heute bewerten
Früher stützte sich die Diagnose der Fibromyalgie stark auf die Untersuchung sogenannter "Tender Points" schmerzempfindlicher Punkte am Körper. Heute hat sich das diagnostische Vorgehen weiterentwickelt und basiert auf spezifischen Indizes, die die Symptomatik umfassender erfassen. Ein wichtiges Werkzeug ist hierbei der Widespread Pain Index (WPI).
Der WPI bewertet die Anzahl der Körperregionen, in denen der Patient in der vergangenen Woche Schmerzen hatte. Hierfür werden 19 definierte Bereiche abgefragt, und der Index reicht von 0 bis 19. Ergänzend dazu gibt es die Symptom Severity Scale (SSS). Diese Skala misst die Schwere der drei Kernsymptome: Müdigkeit, nicht erholsamer Schlaf und kognitive Probleme. Zusätzlich werden hier weitere körperliche Beschwerden erfasst, sodass die SSS eine Punktzahl von 0 bis 12 erreicht. Nach den ACR-Kriterien von 2016 wird eine Fibromyalgie-Diagnose gestellt, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
- WPI ≥ 7 und SSS ≥ 5 ODER
- WPI zwischen 4-6 und SSS ≥ 9
- Die Symptome müssen seit mindestens 3 Monaten auf ähnlichem Niveau bestehen.
Eine korrekte und vor allem frühzeitige Diagnose ist von immenser Bedeutung. Sie ermöglicht es, die Erkrankung besser zu verstehen, geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln und den oft langen und frustrierenden Weg vieler Patienten bis zur Diagnosestellung zu verkürzen. Leider erfahren viele Betroffene immer noch Unverständnis, was die Bedeutung einer klaren Diagnose unterstreicht.
Das Auf und Ab der Symptome: Was beeinflusst die Intensität der Fibromyalgie?
Ein charakteristisches Merkmal der Fibromyalgie ist die ausgeprägte Schwankung der Symptomintensität. Die Beschwerden sind selten konstant, sondern können sich in sogenannten "Schüben" temporär verschlimmern. Diese Phasen können für die Betroffenen besonders belastend sein und erfordern oft eine Anpassung des Alltagsmanagements.
- Stress
- Körperliche Überanstrengung
- Wetterwechsel
- Infektionen
- Schlafmangel
- Hormonelle Veränderungen
Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass psychische Faktoren wie Depressionen und Angstzustände häufige Begleiter der Fibromyalgie sind. Diese entstehen oft als Reaktion auf die chronischen Schmerzen, die ständige Erschöpfung und die damit verbundenen erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität. Eine ganzheitliche Betrachtung, die sowohl körperliche als auch psychische Aspekte berücksichtigt, ist daher unerlässlich.
Was Sie jetzt tun können: Erste Schritte im Umgang mit den Symptomen
Ein wichtiger erster Schritt im Umgang mit den Symptomen der Fibromyalgie ist die Selbstbeobachtung. Das Führen eines Symptom-Tagebuchs kann dabei ungemein helfen. Hier können Sie Muster erkennen, mögliche Auslöser für Verschlechterungen identifizieren und die Schwankungen Ihrer Beschwerden dokumentieren. Diese Informationen sind nicht nur für Sie selbst wertvoll, sondern auch eine wichtige Grundlage für das Gespräch mit Ihrem Arzt.
Die Behandlung der Fibromyalgie erfordert oft einen interdisziplinären Ansatz. Suchen Sie den Rat von medizinischen Fachkräften, die Erfahrung mit dieser Erkrankung haben. Dazu gehören in der Regel Rheumatologen, Schmerztherapeuten und Neurologen. Eine enge Zusammenarbeit dieser Spezialisten kann die bestmögliche Versorgung gewährleisten.
Letztendlich sind Akzeptanz der Erkrankung und ein umfassendes Wissen über Fibromyalgie entscheidende Faktoren für den selbstbestimmten Umgang mit den Symptomen. Indem Sie Ihre Erkrankung verstehen und aktiv an Ihrer Behandlung mitwirken, können Sie Ihre Lebensqualität trotz der Herausforderungen der Fibromyalgie verbessern.
