Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, die Millionen von Menschen betrifft und oft mit schmerzhaften Anfällen einhergeht. Die richtige medikamentöse Behandlung ist entscheidend, um sowohl akute Schmerzen zu lindern als auch langfristig den Harnsäurespiegel zu kontrollieren. In Deutschland stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, die sich in ihrer Anwendung und ihrem Wirkprinzip unterscheiden von der schnellen Hilfe bei einem Anfall bis zur dauerhaften Therapie. Dieser Artikel beleuchtet die gängigen Medikamente, ihre Einsatzgebiete und wichtige Hinweise für Betroffene.
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Gichtmedikamente: Schnelle Hilfe bei Anfällen und langfristige Senkung der Harnsäure
- Die Behandlung von Gicht verfolgt zwei Hauptziele: die schnelle Linderung akuter Schmerzen und die dauerhafte Senkung des Harnsäurespiegels.
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind die erste Wahl bei akuten Anfällen, wobei Kortison und Colchicin wichtige Alternativen darstellen.
- Zur langfristigen Harnsäuresenkung sind Allopurinol der bewährte Standard und Febuxostat eine moderne Alternative, insbesondere bei Unverträglichkeiten oder Nierenproblemen.
- Die meisten Medikamente zur dauerhaften Gichttherapie sind in Deutschland verschreibungspflichtig.
- Zu Beginn einer harnsäuresenkenden Therapie kann es paradoxerweise zu vermehrten Gichtanfällen kommen, weshalb oft schützend Colchicin eingesetzt wird.
- Eine konsequente, oft lebenslange Therapie, begleitet von Lebensstilanpassungen, ist entscheidend für den Behandlungserfolg.

Akuter Gichtanfall: Schnelle Hilfe bei Schmerz und Entzündung
Wenn der Gichtanfall zuschlägt, steht die schnelle Linderung der quälenden Schmerzen und der ausgeprägten Entzündung im Vordergrund. Hierfür stehen verschiedene Medikamentenklassen zur Verfügung, die gezielt die Entzündungsreaktion im Gelenk bekämpfen und so den Schmerz lindern.
NSAR: Die erste Wahl gegen Schmerz und Entzündung
Nichtsteroidale Antirheumatika, kurz NSAR, sind bei einem akuten Gichtanfall oft die erste Wahl. Wirkstoffe wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac sind nicht nur schmerzlindernd, sondern hemmen auch effektiv die Entzündung im Gelenk. Für die Behandlung eines akuten Anfalls sind häufig höhere Dosierungen notwendig, weshalb diese Präparate in der Regel verschreibungspflichtig sind. Sie greifen gezielt in den Entzündungsprozess ein und können so die Beschwerden rasch mindern.
Kortison: Wenn die Entzündung besonders stark ist
Bei besonders heftigen Entzündungen oder wenn NSAR nicht vertragen werden oder kontraindiziert sind, kommt Kortison zum Einsatz. Glukokortikoide wie Prednisolon sind hochwirksame Entzündungshemmer. Sie können entweder in Tablettenform eingenommen oder, um eine sehr schnelle und lokale Wirkung zu erzielen, direkt in das betroffene Gelenk gespritzt werden. Diese Methode wird oft gewählt, um systemische Nebenwirkungen zu minimieren.
Colchicin: Die Alternative mit strengen Regeln
Colchicin ist ein älteres Medikament, das speziell zur Gichtbehandlung eingesetzt wird und die Entzündungsreaktion beeinflusst. Es ist eine wichtige Option, wenn NSAR nicht infrage kommen. Allerdings erfordert Colchicin eine sehr genaue Dosierung, da es bei Überschreitung der empfohlenen Menge schnell zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Durchfall und Übelkeit kommen kann. Die Einhaltung der ärztlichen Anweisungen ist hierbei besonders wichtig.
Was Sie während eines Anfalls unbedingt beachten sollten
- Suchen Sie umgehend ärztlichen Rat, um die richtige Behandlung zu erhalten und eine Fehldiagnose auszuschließen.
- Nehmen Sie keine Medikamente eigenmächtig in hohen Dosen ein, sondern halten Sie sich strikt an die ärztliche Verordnung.
- Schonen Sie das betroffene Gelenk und vermeiden Sie Belastungen.
- Trinken Sie ausreichend Wasser, um die Ausscheidung von Harnsäure zu unterstützen.

Dauertherapie: Wie Medikamente die Harnsäure langfristig senken
Ein akuter Gichtanfall ist oft ein Warnsignal, dass der Harnsäurespiegel im Körper dauerhaft zu hoch ist. Um weitere Anfälle zu verhindern und langfristige Schäden an Gelenken und Organen zu vermeiden, ist eine konsequente harnsäuresenkende Therapie unerlässlich. Diese wird in der Regel erst begonnen, wenn der akute Anfall abgeklungen ist.
Warum eine Langzeittherapie unerlässlich ist, um weitere Anfälle zu verhindern
Das Hauptziel der Langzeittherapie ist es, den Harnsäurespiegel im Blut dauerhaft unter einen kritischen Wert, meist unter 6 mg/dl, zu senken. Dies verhindert die Bildung und Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken und schützt so vor weiteren schmerzhaften Anfällen und der Zerstörung von Gelenkstrukturen. Oftmals ist diese Behandlung eine lebenslange Begleitung, die durch Anpassungen des Lebensstils unterstützt wird: eine purinarme Ernährung, der Verzicht auf Alkohol und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind hierbei essenziell.
Allopurinol: Der bewährte Standard in der Gichttherapie
Allopurinol ist seit vielen Jahren der Eckpfeiler der harnsäuresenkenden Langzeittherapie und gilt als Mittel der ersten Wahl. Es gehört zur Gruppe der Urikostatika und hemmt ein Enzym in der Leber, das für die Produktion von Harnsäure verantwortlich ist. Dadurch wird die körpereigene Harnsäurebildung reduziert. Allopurinol ist gut verträglich und seine Wirksamkeit ist umfassend belegt.
Febuxostat: Die moderne Alternative bei Unverträglichkeit oder Nierenproblemen
Febuxostat stellt eine moderne Alternative zu Allopurinol dar und wird insbesondere dann eingesetzt, wenn Patienten Allopurinol nicht vertragen oder wenn eine eingeschränkte Nierenfunktion vorliegt. Febuxostat wirkt ebenfalls als Xanthinoxidase-Hemmer und kann den Harnsäurespiegel oft effektiver senken als Allopurinol. Dies macht es zu einer wertvollen Option für bestimmte Patientengruppen.
Urikosurika (Probenecid & Co.): Wann kommen diese Wirkstoffe zum Einsatz?
Im Gegensatz zu den Urikostatika, die die Produktion hemmen, fördern Urikosurika wie Probenecid oder Benzbromaron die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren. Diese Medikamentenklasse spielt in Deutschland eine untergeordnete Rolle und wird seltener verschrieben. Ihr Einsatz ist meist auf spezielle Fälle beschränkt, etwa wenn Urikostatika nicht wirken oder nicht vertragen werden, oder sie werden in Kombinationstherapien eingesetzt.
Start der Dauertherapie: Wichtige Hinweise für die Anfangszeit
Der Beginn einer harnsäuresenkenden Therapie ist ein wichtiger Schritt, der jedoch einige Besonderheiten mit sich bringt, auf die Patienten vorbereitet sein sollten.
Das "paradoxe" Risiko: Warum anfangs mehr Gichtanfälle auftreten können
Es mag paradox klingen, aber zu Beginn einer Therapie, die den Harnsäurespiegel senken soll, kann es vorübergehend zu einer Zunahme von Gichtanfällen kommen. Dies liegt daran, dass durch die sinkenden Harnsäurewerte bereits abgelagerte Kristalle in den Gelenken mobilisiert werden und eine Entzündungsreaktion auslösen können. Dieses Phänomen ist meist zeitlich begrenzt.
Die Rolle von Colchicin als Schutzschild in der Anfangsphase
Um dieses anfängliche Risiko von Gichtanfällen zu minimieren, wird häufig begleitend zur harnsäuresenkenden Medikation für die ersten Monate niedrig dosiertes Colchicin verschrieben. Es wirkt als eine Art "Schutzschild" gegen die Entzündungsreaktionen, die durch die Mobilisierung der Harnsäurekristalle ausgelöst werden können.
Geduld ist gefragt: Wann stellen sich die ersten Erfolge ein?
Es ist wichtig zu verstehen, dass die harnsäuresenkende Therapie Zeit braucht, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Der Harnsäurespiegel stabilisiert sich nicht über Nacht, und es kann einige Wochen bis Monate dauern, bis die Kristallablagerungen sich zurückbilden und das Risiko für Anfälle deutlich sinkt. Konsequenz und Geduld sind hier der Schlüssel zum Erfolg.
Verfügbarkeit: Wann brauche ich ein Rezept?
Die Frage, welche Gichtmedikamente frei verkäuflich sind und welche ärztliche Verordnung erfordern, ist für viele Betroffene relevant.
Welche Schmerzmittel Sie selbst in der Apotheke kaufen können
Einige niedrig dosierte Schmerzmittel, insbesondere bestimmte NSAR wie Ibuprofen oder Naproxen in geringen Milligrammstärken, sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Diese können zur allgemeinen Schmerzlinderung bei leichten Beschwerden eingesetzt werden. Für die gezielte und effektive Behandlung eines akuten Gichtanfalls sind jedoch oft höhere, verschreibungspflichtige Dosierungen notwendig, die nur ein Arzt verordnen kann.
Warum eine ärztliche Diagnose vor jeder Behandlung stehen muss
Es ist von größter Wichtigkeit, dass jede Gichtbehandlung mit einer ärztlichen Diagnose beginnt. Nur ein Arzt kann sicher feststellen, ob es sich tatsächlich um einen Gichtanfall handelt und welche Form der Therapie ob für den akuten Anfall oder die Langzeitbehandlung die richtige ist. Eine Selbstdiagnose und Selbstmedikation, insbesondere bei den harnsäuresenkenden Medikamenten, kann gefährlich sein und den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen.
Die Kostenübernahme: Was zahlen die Krankenkassen in Deutschland?
Alle Medikamente, die zur dauerhaften Senkung des Harnsäurespiegels eingesetzt werden, sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Die Kosten für diese Therapien werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wobei für den Patienten eine übliche Zuzahlung anfällt. Neuere, sehr spezifische Medikamente wie IL-1-Blocker sind extrem kostspielig und werden nur in Ausnahmefällen bei schweren, therapieresistenten Verläufen verschrieben.
Therapie sicher durchführen: Nebenwirkungen und wichtige Hinweise
Eine erfolgreiche Gichttherapie erfordert nicht nur die richtige Medikation, sondern auch ein Bewusstsein für mögliche Nebenwirkungen und die konsequente Einhaltung des Behandlungsplans.
Die häufigsten Nebenwirkungen von Gichtmedikamenten im Überblick
| Medikamentenklasse/Wirkstoff | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|
| NSAR | Magen-Darm-Beschwerden, Nierenprobleme |
| Colchicin | Durchfall, Übelkeit, Erbrechen |
| Allopurinol | Hautreaktionen, Magen-Darm-Beschwerden |
| Febuxostat | Leberfunktionsstörungen, Hautreaktionen |
| Kortison | Kurzfristig: Schlafstörungen, erhöhter Blutzucker; Langfristig: Osteoporose, Bluthochdruck |
Medikamente niemals ohne Rücksprache mit dem Arzt absetzen
Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Gichttherapie, insbesondere die harnsäuresenkende Dauerbehandlung, niemals eigenmächtig abgesetzt wird, auch wenn sich die Symptome verbessert haben oder keine Anfälle mehr auftreten. Ein vorzeitiger Therapieabbruch kann zu einem Wiederanstieg des Harnsäurespiegels führen, was das Risiko für neue Anfälle und langfristige Gelenkschäden erhöht.
Die Bedeutung von regelmäßigen Blutkontrollen zur Überwachung der Therapie
Regelmäßige Kontrollen beim Arzt sind unerlässlich, um den Erfolg der harnsäuresenkenden Therapie zu überwachen. Durch Blutuntersuchungen wird der Harnsäurespiegel überprüft und die Dosierung der Medikamente gegebenenfalls angepasst, um den Zielwert sicher zu erreichen und zu halten. Darüber hinaus können weitere Blutwerte wie Nieren- und Leberfunktion kontrolliert werden, um die allgemeine Gesundheit zu gewährleisten.
