Als Frau ab 35 Jahren rücken bestimmte Aspekte Ihrer Gesundheit stärker in den Fokus, insbesondere wenn es um die Früherkennung von Krankheiten geht. Die gynäkologische Vorsorge passt sich diesem Lebensabschnitt an und bietet Ihnen durch neue Methoden ein noch höheres Maß an Sicherheit. In diesem Artikel beleuchten wir die wichtigsten Neuerungen und bewährten Verfahren, damit Sie bestens informiert sind und Ihre Gesundheit aktiv gestalten können.
Gynäkologische Vorsorge ab 35: Wichtige Änderungen und warum der Ko-Test Sicherheit bietet
- Ab 35 Jahren wird der kombinierte HPV- und Pap-Test (Ko-Test) zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs eingeführt.
- Dieser Ko-Test wird alle drei Jahre durchgeführt und ersetzt den jährlichen Pap-Test.
- Die jährliche Vorsorge umfasst weiterhin die Tastuntersuchung der Brust und der Lymphknoten zur Brustkrebsfrüherkennung.
- Auffällige Befunde im Ko-Test führen zu engmaschigeren Kontrollen, um frühzeitig handeln zu können.
- Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) wie vaginaler oder Brustultraschall können die Kassenleistungen sinnvoll ergänzen, sind aber privat zu zahlen.
- Der "Check-up 35" für Herz, Kreislauf und Diabetes ist ebenfalls eine alle drei Jahre stattfindende Kassenleistung, die zur umfassenden Gesundheitsvorsorge gehört.
Die veränderte gynäkologische Vorsorge ab 35 verstehen
Ab Ihrem 35. Geburtstag gibt es eine wichtige Anpassung bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs: Statt des jährlichen Pap-Abstrichs tritt nun der sogenannte Ko-Test in den Vordergrund. Dieser kombinierte Test, der den Pap-Abstrich mit einem Test auf Humane Papillomviren (HPV) vereint, wird alle drei Jahre durchgeführt. Die Umstellung wurde vorgenommen, da Studien gezeigt haben, dass dieser neue Ansatz die Früherkennung von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses verbessert und gleichzeitig eine hohe Sicherheit bietet. Der HPV-Test erkennt Viren, die als Hauptursache für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs gelten. Durch die Kombination beider Tests können wir Risiken noch präziser einschätzen und unnötige Folgeuntersuchungen bei unauffälligen Ergebnissen vermeiden.
Das übergeordnete Ziel dieser erweiterten Früherkennung ist es, potenzielle Risiken für Gebärmutterhalskrebs noch früher und zuverlässiger zu erkennen. Der HPV-Test spielt hierbei eine Schlüsselrolle, da er gezielt nach den Viren sucht, die für die Entstehung von Zellveränderungen verantwortlich sind. In Kombination mit dem Pap-Abstrich, der die aktuellen Zellveränderungen am Gebärmutterhals beurteilt, bietet der Ko-Test eine deutlich erhöhte Sicherheit und Präzision. So können wir sicherstellen, dass keine Auffälligkeiten übersehen werden und im Bedarfsfall schnell und gezielt gehandelt werden kann.
Der kombinierte HPV- und Pap-Test: So funktioniert die neue Früherkennung
Humane Papillomviren (HPV) sind weit verbreitete Viren, die sexuell übertragen werden und bei einem Großteil der Bevölkerung im Laufe des Lebens vorkommen. Bestimmte HPV-Typen können jedoch über Jahre hinweg zu anhaltenden Infektionen führen, die wiederum das Risiko für die Entwicklung von Zellveränderungen am Gebärmutterhals und letztlich für Gebärmutterhalskrebs erhöhen. Der HPV-Test ist daher ein entscheidender Baustein in der modernen Vorsorge, da er diese gefährlichen Viren bereits identifizieren kann, bevor sie überhaupt zu sichtbaren Zellveränderungen führen. Dies ermöglicht ein frühzeitiges Erkennen von Risikopatientinnen und eine gezielte Überwachung.
Der Ablauf des kombinierten HPV- und Pap-Tests ist denkbar einfach und unkompliziert für Sie als Patientin. Bei Ihrem Vorsorgetermin entnimmt Ihr Gynäkologe oder Ihre Gynäkologin wie gewohnt mit einem kleinen Bürstchen Zellen vom Gebärmutterhals. Von diesem Abstrich werden Proben für den Pap-Test und den HPV-Test entnommen. Beide Tests werden dann im Labor ausgewertet. Die Kombination der Ergebnisse liefert ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand Ihres Gebärmutterhalses und das Vorhandensein von Hochrisiko-HPV-Typen.
- Zellentnahme: Während des gynäkologischen Vorsorgetermins werden mit einem kleinen Bürstchen Zellen vom Gebärmutterhals entnommen.
- Probenaufbereitung: Die entnommenen Zellen werden für zwei verschiedene Laboruntersuchungen vorbereitet: den Pap-Abstrich und den HPV-Test.
- Laboranalyse: Im Labor werden die Zellen auf Auffälligkeiten (Pap-Test) und das Vorhandensein von Hochrisiko-HPV-Typen (HPV-Test) untersucht.
- Ergebnisbewertung: Die Ergebnisse beider Tests werden kombiniert, um eine individuelle Risikobewertung vorzunehmen.
Der dreijährige Rhythmus des Ko-Tests gilt als sicher, insbesondere wenn der HPV-Test negativ ausfällt und der Pap-Abstrich keine auffälligen Zellveränderungen zeigt. Die hohe Sensitivität des HPV-Tests in Kombination mit der zytologischen Beurteilung durch den Pap-Abstrich ermöglicht eine sehr genaue Einschätzung des Risikos. Studien haben gezeigt, dass bei einem negativen HPV-Test und einem unauffälligen Pap-Abstrich das Risiko, in den folgenden drei Jahren tatsächlich an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, extrem gering ist. Dies gibt Ihnen eine beruhigende Gewissheit über Ihre Gesundheit.
Auffällige Befunde: Was bedeuten sie und wie geht es weiter?
Sollte der HPV-Test positiv sein, aber der Pap-Abstrich noch unauffällige Zellen zeigen, bedeutet dies nicht sofort Krebs. Vielmehr deutet es darauf hin, dass eine Infektion mit einem Hochrisiko-HPV-Typ vorliegt. In diesem Fall werden engmaschigere Kontrollen empfohlen, oft schon nach sechs bis zwölf Monaten. Diese engmaschigen Kontrollen sind entscheidend, um zu beobachten, ob sich das Virus von selbst eliminiert oder ob sich doch Zellveränderungen entwickeln. Nur so können wir sicherstellen, dass wir frühzeitig eingreifen, falls sich die Situation verändert.
Wenn der Pap-Abstrich auffällige Zellveränderungen zeigt, sind weitere diagnostische Schritte notwendig, um die genaue Art und das Ausmaß der Veränderungen zu klären. Dazu gehören:
- Kolposkopie: Dies ist eine spezielle Untersuchungsmethode, bei der der Gebärmutterhals unter Vergrößerung betrachtet wird. Dabei können verdächtige Bereiche besser erkannt werden.
- Biopsie: Falls bei der Kolposkopie auffällige Bereiche sichtbar sind, wird eine kleine Gewebeprobe entnommen. Diese Probe wird dann feingeweblich (histologisch) untersucht, um die genaue Art der Zellveränderung zu bestimmen.
Je nach Ergebnis der Biopsie und des Pap-Tests wird das weitere Vorgehen festgelegt. Dies kann von weiteren regelmäßigen Kontrollen in kürzeren Abständen bis hin zur Überweisung in eine spezielle Dysplasiesprechstunde reichen. In diesen spezialisierten Sprechstunden arbeiten Gynäkologen eng mit Pathologen zusammen, um die bestmögliche Diagnostik und Therapie für Frauen mit Zellveränderungen am Gebärmutterhals zu gewährleisten. Ziel ist es immer, Vorstufen von Krebs zu erkennen und zu behandeln, bevor sie sich zu einer bösartigen Erkrankung entwickeln können.

Brustkrebsfrüherkennung ab 35: Ihre jährliche Untersuchung
Neben der Vorsorge für den Gebärmutterhalskrebs ist die Brustkrebsfrüherkennung ein zentraler Bestandteil Ihrer jährlichen gynäkologischen Untersuchung. Ab 35 Jahren gehört die Tastuntersuchung der Brust und der dazugehörigen Lymphknoten in den Achselhöhlen fest zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Bei dieser Untersuchung prüft Ihr Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin systematisch das Brustgewebe und die Lymphknoten auf Veränderungen wie Knoten, Verhärtungen oder andere Auffälligkeiten, die auf Brustkrebs hindeuten könnten. Dies ist eine einfache, aber äußerst wichtige Methode, um Brustkrebs frühzeitig zu entdecken.
Neben der professionellen Untersuchung durch den Arzt ist die regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust ein wichtiger Beitrag zur Früherkennung. Frauen ab etwa 30 Jahren werden dazu angeleitet, ihre Brüste regelmäßig selbst abzutasten. Es geht darum, ein Gefühl für das eigene Brustgewebe zu entwickeln und Veränderungen wie neu aufgetretene Knoten, Hautveränderungen, Einziehungen oder Ausfluss aus der Brustwarze frühzeitig zu bemerken. Lassen Sie sich von Ihrem Gynäkologen genau zeigen, wie Sie diese Selbstuntersuchung korrekt durchführen, und zögern Sie nicht, bei Unsicherheiten oder Veränderungen umgehend einen Arzttermin zu vereinbaren.
Für bestimmte Situationen kann ein zusätzlicher Brustultraschall (Sono-Check) als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) sinnvoll sein. Dies gilt insbesondere für Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe, bei denen Knoten durch die Tastuntersuchung schwerer zu erkennen sind, oder wenn es unklare Befunde gibt. Auch bei familiärer Vorbelastung mit Brustkrebs kann ein Ultraschall eine sinnvolle Ergänzung sein. Bitte beachten Sie, dass die Kosten für diese Leistung selbst getragen werden müssen. Das Mammographie-Screening, eine Röntgenuntersuchung der Brust, ist für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren vorgesehen und wird alle zwei Jahre von den Krankenkassen übernommen.
Ihr Gynäkologentermin: Mehr als nur Krebsvorsorge
Ihr jährlicher Termin beim Gynäkologen ist weit mehr als nur eine Untersuchung zur Krebsfrüherkennung. Ein ganz wesentlicher Bestandteil ist das ärztliche Gespräch. Hier haben Sie die Möglichkeit, alle Ihre Fragen und Anliegen offen anzusprechen. Ob es um Zyklusunregelmäßigkeiten geht, Fragen zur Verhütung, den Beginn der Wechseljahre, sexuelle Gesundheit oder andere persönliche Themen Ihr Arzt ist Ihr vertrauensvoller Ansprechpartner. Nutzen Sie diese Zeit, um sich umfassend beraten zu lassen und Gewissheit zu erlangen.
Im Rahmen der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung findet auch eine Tastuntersuchung der inneren weiblichen Organe statt. Dabei werden Gebärmutter und Eierstöcke sorgfältig abgetastet, um deren Größe, Form und Konsistenz zu beurteilen. So können beispielsweise gutartige Veränderungen wie Zysten an den Eierstöcken oder Myome in der Gebärmutter frühzeitig erkannt werden. Diese Untersuchung ist ein wichtiger Bestandteil, um die Gesundheit Ihrer Fortpflanzungsorgane zu überwachen.
Darüber hinaus können im Rahmen des Vorsorgetermins auch weitere wichtige Gesundheitschecks durchgeführt werden. Dazu gehören beispielsweise die Messung Ihres Blutdrucks, um Bluthochdruck frühzeitig zu erkennen, und eine allgemeine Gesundheitsberatung. Diese Aspekte tragen dazu bei, ein ganzheitliches Bild Ihrer Gesundheit zu erhalten und präventiv tätig zu werden, wo es nötig ist.
Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL): Sinnvolle Ergänzungen zur Kassenleistung
Neben den Leistungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, gibt es sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL). Ein Beispiel hierfür ist der vaginale Ultraschall. Diese Untersuchung kann sinnvoll sein, um die Gebärmutter und die Eierstöcke detaillierter darzustellen, insbesondere wenn es um die Abklärung von Zysten, Myomen oder anderen Auffälligkeiten geht. Da dies über die reine Vorsorge hinausgeht, müssen die Kosten für den vaginalen Ultraschall in der Regel von Ihnen selbst getragen werden.
Ein weiterer wichtiger IGeL-Bereich ist der Brustultraschall. Wie bereits erwähnt, kann diese Methode eine wertvolle Ergänzung zur Tastuntersuchung sein, vor allem für Frauen mit dichtem Brustgewebe oder einer familiären Vorbelastung. Er ermöglicht eine genauere Beurteilung des Brustgewebes und kann helfen, kleine Veränderungen zu entdecken, die bei der Tastuntersuchung möglicherweise übersehen werden. Auch hier gilt: Die Kosten sind privat zu tragen.
Auch wenn der immunologische Stuhltest primär zur Darmkrebsfrüherkennung dient und oft im Rahmen des allgemeinen Check-ups beim Hausarzt oder als eigenständige Vorsorgeleistung angeboten wird, kann er auch beim Gynäkologen angesprochen werden. Dies ist eine einfache Möglichkeit, auf verstecktes Blut im Stuhl zu testen und so ein wichtiges Signal für eine mögliche Darmkrebserkrankung frühzeitig zu erkennen.

Der Check-up 35: Ihre umfassende Gesundheitsvorsorge
Ab dem Alter von 35 Jahren haben Sie Anspruch auf einen umfassenden Gesundheits-Check-up, der alle drei Jahre von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Dieser "Check-up 35" ist eine wichtige Ergänzung zu Ihrer gynäkologischen Vorsorge und konzentriert sich auf die Früherkennung von Krankheiten, die in diesem Lebensabschnitt häufiger auftreten können. Dazu gehören insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und Nierenerkrankungen. Im Rahmen dieses Checks werden in der Regel Blutuntersuchungen durchgeführt, um Blutzucker- und Cholesterinwerte zu bestimmen, sowie eine Urinuntersuchung und eine Blutdruckmessung. Ziel ist es, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und präventive Maßnahmen einzuleiten, bevor ernsthafte Erkrankungen entstehen.
Um eine lückenlose Gesundheitsüberwachung zu gewährleisten, ist es ratsam, die Termine für Ihre gynäkologische Vorsorge und den allgemeinen Check-up 35 strategisch zu planen. Oftmals fallen diese Untersuchungen in denselben Dreijahreszeitraum. Sie können beispielsweise Ihren Gynäkologentermin nutzen, um auch das Thema des "Check-up 35" anzusprechen und sich gegebenenfalls direkt an Ihren Hausarzt zu überweisen oder die Termine entsprechend zu koordinieren. So stellen Sie sicher, dass Sie alle wichtigen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und Ihre Gesundheit optimal im Blick behalten.
