Das Reizdarmsyndrom mit vorherrschendem Durchfall (RDS-D) ist eine weit verbreitete und oft belastende Erkrankung, die den Alltag stark beeinträchtigen kann. Wenn der Bauch ständig rebelliert und Durchfall zum ständigen Begleiter wird, suchen Betroffene nach schnellen und effektiven Lösungen. In diesem Artikel gebe ich Ihnen einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Medikamente, die zur Linderung von RDS-Durchfall zur Verfügung stehen, und beleuchte auch ganzheitliche Ansätze, die über die reine Symptombekämpfung hinausgehen.
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Medikamente bei Reizdarm-Durchfall: Schnelle Hilfe und langfristige Strategien.
Loperamid ist ein bewährtes rezeptfreies Mittel zur akuten Durchfalllinderung, sollte aber nicht dauerhaft angewendet werden.
Spasmolytika wie Buscopan helfen gezielt gegen die oft begleitenden Bauchkrämpfe.
Pflanzliche Mittel wie Pfefferminzöl und Myrrhe bieten natürliche Unterstützung bei Symptomen.
Verschreibungspflichtige Optionen wie Rifaximin können bei bakterieller Fehlbesiedlung im Darm wirken.
Lösliche Ballaststoffe (z.B. Flohsamenschalen) und spezifische Probiotika können den Darm langfristig stabilisieren.
Die Low-FODMAP-Diät ist eine effektive Ernährungsstrategie zur Linderung von Reizdarmsymptomen.
Reizdarm mit Durchfall verstehen: Wenn der Bauch rebelliert
Verstehen, was im Darm passiert: Ist es wirklich ein Reizdarm?
Das Reizdarmsyndrom, oft als RDS abgekürzt, ist eine funktionelle Störung des Magen-Darm-Trakts, bei der es zu chronischen Beschwerden kommt, ohne dass eine organische Ursache wie eine Entzündung oder ein Tumor gefunden werden kann. Das RDS mit vorherrschendem Durchfall (RDS-D) zeichnet sich durch wiederkehrende Episoden von Durchfall aus, oft begleitet von Bauchschmerzen, Blähungen und einem Gefühl der unvollständigen Entleerung. Die Diagnose des RDS ist eine sogenannte Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass Ärzte zunächst andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausschließen müssen, beispielsweise chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa), Zöliakie oder Infektionen. Erst wenn diese Ursachen ausgeschlossen sind und die charakteristischen Symptome über einen längeren Zeitraum bestehen, wird die Diagnose Reizdarmsyndrom gestellt.
Die typischen Auslöser: Wie Stress, Ernährung und Co. den Durchfall antreiben
- Stress und psychische Belastungen: Der Darm und das Gehirn sind eng miteinander verbunden. Starker Stress, Angst oder emotionale Anspannung können die Darmfunktion stark beeinflussen und Durchfallattacken auslösen oder verschlimmern.
- Bestimmte Lebensmittel: Nicht jeder verträgt jedes Lebensmittel gleich gut. Bei RDS-D sind oft fette Speisen, stark gewürzte Gerichte, Kaffee, Alkohol, kohlensäurehaltige Getränke und Süßstoffe problematisch. Auch Laktose- oder Fruktoseunverträglichkeiten können eine Rolle spielen.
- Veränderungen der Darmflora: Eine unausgewogene Zusammensetzung der Bakterien im Darm (Dysbiose) kann die Verdauung stören und zu Durchfall führen.
- Hormonelle Schwankungen: Bei Frauen können hormonelle Veränderungen, beispielsweise im Rahmen des Menstruationszyklus, die Symptome beeinflussen.
- Schnelles Essen und unregelmäßige Mahlzeiten: Hastiges Essen oder unregelmäßige Essenszeiten können die Verdauung belasten.

Rezeptfreie Medikamente: Schnelle Hilfe aus der Apotheke
Der Klassiker im Check: Wann und wie Loperamid (Imodium & Co.) sicher eingesetzt wird
Wenn der Durchfall akut auftritt und den Alltag stark beeinträchtigt, greifen viele Betroffene zu Loperamid. Wirkstoffe wie Loperamid, bekannt unter Markennamen wie Imodium® oder Lopedium®, sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und eignen sich hervorragend zur kurzfristigen symptomatischen Behandlung. Loperamid wirkt, indem es die Darmbewegung verlangsamt und die Wasseraufnahme aus dem Darminhalt verbessert. Dadurch wird der Stuhl fester und die Stuhlfrequenz reduziert. Es ist wichtig zu verstehen, dass Loperamid die Ursache des Durchfalls nicht bekämpft, sondern nur die Symptome lindert. Daher sollte es nicht zur Daueranwendung bei chronischem Reizdarm-Durchfall eingesetzt werden. Bei anhaltenden Beschwerden oder wenn der Durchfall plötzlich und stark auftritt, ist es ratsam, ärztlichen Rat einzuholen.
Krämpfe als Begleiterscheinung? Wie Spasmolytika (z. B. Buscopan) den Bauch beruhigen
Bauchkrämpfe und krampfartige Schmerzen sind häufige und quälende Begleiterscheinungen des Reizdarm-Syndroms, insbesondere bei der Durchfall-Variante. Hier können krampflösende Medikamente, sogenannte Spasmolytika, Linderung verschaffen. Wirkstoffe wie Butylscopolamin, bekannt aus Präparaten wie Buscopan®, entspannen die Muskulatur der Darmwand und reduzieren so die schmerzhaften Krämpfe. Auch Mebeverin, das ebenfalls krampflösend wirkt, kann eine Option sein. Diese Mittel können gezielt bei Bedarf eingenommen werden, um die schmerzhaften Kontraktionen des Darms zu lindern und so das Wohlbefinden zu verbessern.
Pflanzliche Kraft: Pfefferminzöl, Myrrhe und andere Naturheilmittel auf dem Prüfstand
- Pfefferminzöl: In magensaftresistenter Kapselform eingenommen, entfaltet Pfefferminzöl seine krampflösende Wirkung direkt im Darm. Es kann helfen, Bauchschmerzen und Krämpfe zu lindern, die oft mit RDS-Durchfall einhergehen.
- Myrrhe, Kaffeekohle und Kamille: Kombinationen dieser pflanzlichen Wirkstoffe, wie sie beispielsweise in Präparaten wie Myrrhinil-Intest® zu finden sind, werden traditionell zur Unterstützung bei verschiedenen Magen-Darm-Beschwerden, einschließlich Durchfall, eingesetzt. Sie können beruhigend auf den Darm wirken und zur Linderung von Symptomen beitragen.
Verschreibungspflichtige Optionen: Wenn rezeptfrei nicht ausreicht
Das Darm-Antibiotikum: Wie Rifaximin (Xifaxan) die Darmflora neu ordnet
Wenn rezeptfreie Mittel nicht mehr ausreichen und der Verdacht auf eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO) besteht, kann der Arzt Rifaximin (bekannt unter dem Handelsnamen Xifaxan®) verschreiben. Rifaximin ist ein Antibiotikum, das fast ausschließlich im Darm wirkt und kaum in den Blutkreislauf aufgenommen wird. Es zielt darauf ab, die übermäßige Anzahl bestimmter Bakterien im Dünndarm zu reduzieren, die Blähungen und Durchfall verursachen können. Die Behandlung erfolgt typischerweise als 14-tägige Kur und kann eine deutliche Linderung der RDS-Symptome bewirken.
Nerven beruhigen, Darm entspannen: Der Off-Label-Einsatz von Antidepressiva in niedriger Dosis
Obwohl sie primär als Antidepressiva bekannt sind, werden bestimmte Medikamente aus dieser Gruppe, insbesondere trizyklische Antidepressiva (TCA), in niedriger Dosierung auch zur Behandlung des Reizdarmsyndroms eingesetzt allerdings häufig "off-label", also außerhalb der zugelassenen Indikation. Diese Medikamente können die Schmerzwahrnehmung im Darm beeinflussen und die übermäßig schnelle Darmbewegung verlangsamen. Sie sind nicht dazu gedacht, eine Depression zu behandeln, sondern zielen darauf ab, die gestörte Signalübertragung zwischen Gehirn und Darm zu modulieren und so die Symptome wie Durchfall und Schmerzen zu lindern.
Ein Blick in die Zukunft: Welche neuen Wirkstoffe in der Pipeline sind
Die Forschung im Bereich des Reizdarmsyndroms ist sehr aktiv, und es werden ständig neue Wirkstoffe und Therapieansätze entwickelt. Medikamente wie Eluxadolin (in den USA unter dem Namen Truberzi® bekannt) waren speziell für RDS-D konzipiert, wurden aber aufgrund von Sicherheitsbedenken (z. B. erhöhtes Risiko für Pankreatitis bei Patienten ohne Gallenblase) teilweise vom Markt genommen oder sind in Deutschland nicht zugelassen. Ähnlich verhält es sich mit Alosetron, einem 5-HT3-Antagonisten, der in einigen Ländern für schweres RDS-D bei Frauen eingesetzt wird, hierzulande aber keine Zulassung besitzt. Diese Beispiele zeigen jedoch die Bemühungen, gezieltere und sicherere Medikamente für RDS-Patienten zu entwickeln.

Ganzheitliche Ansätze: Mehr als nur Medikamente
Das Mikrobiom im Fokus: Wie Probiotika und Ballaststoffe den Darm langfristig stabilisieren können
Das Gleichgewicht der Billionen von Bakterien, die unseren Darm besiedeln unser Mikrobiom spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf des Reizdarmsyndroms. Eine gestörte Darmflora, auch Dysbiose genannt, kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter auch Durchfall. Hier setzen Probiotika und bestimmte Ballaststoffe an. Spezifische Probiotika, wie beispielsweise der Bakterienstamm Bifidobacterium bifidum MIMBb75, haben in Studien gezeigt, dass sie die Darmflora positiv beeinflussen und die Symptome des RDS, einschließlich Durchfall und Blähungen, lindern können. Langfristig können sie dazu beitragen, das empfindliche Ökosystem im Darm zu stabilisieren.
"Die Behandlung des Reizdarmsyndroms erfordert oft einen multimodalen Ansatz, der über die reine Medikamentengabe hinausgeht und Ernährung sowie Lebensstil einbezieht."
Flohsamenschalen: Warum dieser Ballaststoff bei Durchfall ein Geheimtipp ist
Es mag paradox klingen, aber lösliche Ballaststoffe können auch bei durchfallgeplagten Reizdarmpatienten eine echte Hilfe sein. Flohsamenschalen (Psyllium) sind hierbei besonders hervorzuheben. Sie quellen im Darm stark auf und binden dabei große Mengen Wasser. Dies führt dazu, dass der Stuhl an Volumen gewinnt und fester wird, was die Durchfallsymptomatik effektiv eindämmen kann. Wichtig ist, dass die Einnahme mit ausreichend Flüssigkeit erfolgt und die Dosierung langsam gesteigert wird, um anfängliche Blähungen zu vermeiden. Flohsamenschalen können so auf natürliche Weise zur Regulierung des Stuhlgangs beitragen.
Die richtige Bakterienkultur finden: Worauf Sie bei Probiotika achten müssen
- Spezifische Stämme: Nicht jedes Probiotikum ist für jeden geeignet. Achten Sie auf Präparate, die spezifische Bakterienstämme enthalten, deren Wirksamkeit bei Reizdarmsyndrom, insbesondere bei RDS-D, durch wissenschaftliche Studien belegt ist.
- Dosierung und Haltbarkeit: Die Anzahl der lebenden Bakterienkulturen (angegeben in KBE Koloniebildende Einheiten) und die Sicherstellung ihrer Überlebensfähigkeit bis zum Darm sind entscheidend.
- Individuelle Reaktion: Jede Person reagiert anders auf Probiotika. Was dem einen hilft, muss beim anderen nicht zwangsläufig wirken. Manchmal ist es notwendig, verschiedene Präparate auszuprobieren.
Ernährung als Therapie: So stoppen Sie Durchfall
Die Low-FODMAP-Diät Schritt für Schritt erklärt: Eine Anleitung für Einsteiger
- Eliminationsphase: In dieser ersten Phase werden für einige Wochen (typischerweise 2-6 Wochen) alle Lebensmittel, die reich an FODMAPs sind, konsequent gemieden. FODMAPs sind kurzkettige Kohlenhydrate, die im Dünndarm schlecht aufgenommen werden und im Dickdarm von Bakterien fermentiert werden, was zu Gasbildung, Blähungen und Durchfall führen kann.
- Re-Introduktionsphase (Provokationsphase): Nach der Eliminationsphase werden die einzelnen FODMAP-Gruppen schrittweise und einzeln wieder eingeführt, um herauszufinden, welche spezifischen Lebensmittel und Mengen die Symptome auslösen.
- Personalisierungsphase: Basierend auf den Ergebnissen der Re-Introduktionsphase wird eine individuelle, langfristige Ernährung zusammengestellt, die möglichst viele verträgliche Lebensmittel enthält und die Symptome minimiert.
Die Low-FODMAP-Diät ist eine der am besten erforschten und wirksamsten diätetischen Maßnahmen bei RDS-D. Sie erfordert jedoch sorgfältige Planung und oft die Unterstützung durch einen Ernährungsberater, um sicherzustellen, dass alle Nährstoffbedürfnisse gedeckt werden und die Diät korrekt umgesetzt wird.
Häufige Fehler bei der Ernährungsumstellung und wie Sie diese vermeiden
Viele Betroffene machen bei der Umstellung ihrer Ernährung Fehler, die den Erfolg schmälern. Ein häufiger Fehler ist es, zu schnell zu viele Lebensmittel wieder einzuführen, ohne genau zu testen, welche FODMAPs problematisch sind. Dies kann zu unnötiger Verunsicherung und dem Gefühl führen, dass gar keine Ernährungsumstellung hilft. Ein weiterer Fehler ist mangelnde Geduld; die Symptomlinderung kann Zeit brauchen. Auch eine zu restriktive Ernährung, die über die notwendige Eliminationsphase hinausgeht, kann zu Nährstoffmängeln führen und das soziale Leben einschränken. Wichtig ist, sich an die Phasen der Low-FODMAP-Diät zu halten und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die Ernährung langfristig ausgewogen und symptomkontrollierend zu gestalten.
Ihr individueller Plan: Strategien für den Alltag
Wann ist der Gang zum Arzt unumgänglich? Alarmsignale, die Sie kennen sollten
- Blut im Stuhl oder Rektalblutung: Dies ist immer ein Warnsignal und muss ärztlich abgeklärt werden.
- Unerklärlicher Gewichtsverlust: Ein deutlicher und nicht gewollter Gewichtsverlust kann auf ernstere Erkrankungen hinweisen.
- Nächtlicher Durchfall: Durchfall, der Sie nachts aus dem Schlaf reißt, ist untypisch für ein reines RDS und sollte untersucht werden.
- Fieber: Anhaltendes Fieber in Verbindung mit Durchfall ist ebenfalls ein Grund, sofort einen Arzt aufzusuchen.
- Plötzliche Änderung der Stuhlgewohnheiten: Eine deutliche und anhaltende Veränderung der Beschaffenheit oder Frequenz des Stuhls, die neu auftritt.
Kombination ist Trumpf: Wie Sie Medikamente, Ernährung und Stressmanagement wirksam verbinden
Die wirksamste Strategie zur Bewältigung des Reizdarm-Durchfalls ist oft eine Kombination aus verschiedenen Ansätzen. Medikamente können zur schnellen Linderung akuter Symptome eingesetzt werden, während eine angepasste Ernährung, wie die Low-FODMAP-Diät, die Grundlage für langfristige Besserung bildet. Ebenso wichtig ist das Management von Stress und psychischen Belastungen. Entspannungstechniken, Achtsamkeitsübungen oder auch spezialisierte Therapien wie die Bauchhypnose können helfen, die Darm-Hirn-Achse zu beruhigen und die Symptomintensität zu reduzieren. Indem Sie diese verschiedenen Bausteine intelligent miteinander kombinieren, schaffen Sie die besten Voraussetzungen, um die Kontrolle über Ihren Darm zurückzugewinnen und Ihre Lebensqualität spürbar zu verbessern.
