Wenn Sie unter Gicht leiden, wissen Sie, wie schmerzhaft und einschränkend akute Anfälle sein können. Die Suche nach den richtigen Medikamenten ist daher entscheidend. Dieser Artikel bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Behandlungsoptionen von der schnellen Linderung akuter Schmerzen bis hin zu effektiven Strategien für die Langzeittherapie, um Ihren Harnsäurespiegel dauerhaft zu kontrollieren.
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Umfassende Medikamente gegen Gicht: Schnelle Hilfe bei Anfällen und effektive Langzeittherapie
- Akute Gichtanfälle werden primär mit NSAR, Colchicin oder Kortikosteroiden behandelt, um Schmerz und Entzündung schnell zu lindern.
- Die Langzeittherapie zielt darauf ab, den Harnsäurespiegel dauerhaft unter 6 mg/dl zu senken, hauptsächlich mittels Allopurinol oder Febuxostat.
- Allopurinol ist der Goldstandard zur Harnsäuresenkung, während Febuxostat eine wichtige Alternative darstellt, insbesondere bei Unverträglichkeit oder Nierenproblemen.
- Die meisten wirksamen Gichtmedikamente sind rezeptpflichtig; niedrig dosierte NSAR sind die Ausnahme für die kurzfristige Selbstmedikation.
- Eine erfolgreiche Gichtbehandlung erfordert immer eine individuelle Abstimmung mit dem Arzt und die Berücksichtigung von Begleiterkrankungen und Lebensstiländerungen.

Schnelle Hilfe bei Gichtanfällen: Welche Medikamente wirken sofort?
Ein Gichtanfall ist eine plötzliche und heftige Entzündungsreaktion, die durch die Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken ausgelöst wird. Diese Kristalle führen zu starken Schmerzen, Rötungen und Schwellungen. Um diese Beschwerden schnell zu lindern, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung.
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
Als Mittel der ersten Wahl bei akuten Gichtanfällen gelten die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Wirkstoffe wie Ibuprofen (bis zu 2400 mg/Tag), Naproxen (bis zu 1250 mg/Tag) und Diclofenac (bis zu 150 mg/Tag) sind weit verbreitet und wirken sowohl schmerzlindernd als auch entzündungshemmend. Sie greifen direkt in den Entzündungsprozess ein und können so die Symptome eines Anfalls rasch reduzieren. Indometacin ist zwar ebenfalls sehr wirksam, wird aber aufgrund eines höheren Nebenwirkungsprofils oft nur noch zurückhaltend eingesetzt.
Colchicin
Colchicin, ein Wirkstoff aus der Herbstzeitlosen, ist ebenfalls ein bewährtes Mittel gegen Gichtanfälle. Seine volle Wirksamkeit entfaltet es, wenn es möglichst frühzeitig, idealerweise innerhalb der ersten 12 bis 24 Stunden nach Beginn des Anfalls, eingenommen wird. Die Dosierung wurde in den letzten Jahren angepasst, um die typischen Magen-Darm-Nebenwirkungen zu minimieren. So wird heute oft nur noch eine reduzierte Dosis empfohlen, beispielsweise 1 mg zu Beginn und dann 0,5 mg nach einer Stunde.
Kortikosteroide
Wenn NSAR oder Colchicin nicht vertragen werden oder aus anderen Gründen nicht eingesetzt werden können beispielsweise bei einer bestehenden Niereninsuffizienz kommen Kortikosteroide, umgangssprachlich auch Kortison genannt, zum Einsatz. Prednisolon ist hier der gängigste Wirkstoff. Es wird meist als kurzzeitige Tablettentherapie verabreicht, um die Entzündung und die damit verbundenen Schmerzen effektiv zu bekämpfen. In besonders schweren Fällen kann Kortison auch direkt ins betroffene Gelenk injiziert werden, um eine gezielte und schnelle Linderung zu erzielen.
Für sehr seltene und schwere Fälle, bei denen andere Therapien versagen, steht mit Canakinumab ein moderner monoklonaler Antikörper zur Verfügung. Dieser greift gezielt in den Entzündungsprozess ein, ist aber aufgrund der hohen Kosten nur unter strengen Auflagen und ärztlicher Kontrolle einsetzbar.
Gicht langfristig behandeln: Medikamente zur dauerhaften Harnsäuresenkung
Ein akuter Gichtanfall ist zwar schmerzhaft, aber die eigentliche Herausforderung bei Gicht liegt in der langfristigen Behandlung. Ohne eine dauerhafte Senkung des Harnsäurespiegels im Blut drohen nicht nur weitere Anfälle, sondern auch die Bildung von schmerzhaften Gichtknoten (Tophi) und irreversible Gelenkschäden. Das klare Ziel der Langzeittherapie ist es daher, den Harnsäurespiegel dauerhaft unter 6 mg/dl (360 µmol/l) zu senken.
Allopurinol: Der Goldstandard
Allopurinol ist seit Jahrzehnten der Goldstandard und das am häufigsten verschriebene Medikament zur Harnsäuresenkung. Es wirkt, indem es ein Schlüsselenzym in der Harnsäureproduktion, die sogenannte Xanthinoxidase, hemmt. Dadurch wird weniger Harnsäure im Körper gebildet. Die Dosis von Allopurinol wird in der Regel langsam und schrittweise erhöht ein Ansatz, der als "start low, go slow" bekannt ist. Dies hilft, das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren und eine optimale Verträglichkeit zu gewährleisten.
Febuxostat: Eine wichtige Alternative
Febuxostat (Handelsname z.B. Adenuric®) ist ein alternativer Hemmstoff der Xanthinoxidase und stellt eine wichtige Option dar, wenn Allopurinol nicht vertragen wird oder die gewünschte Harnsäuresenkung nicht erreicht werden kann. Da Febuxostat stärker über die Leber verstoffwechselt wird als Allopurinol, kann es eine gute Wahl bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sein. Allerdings gibt es eine wichtige Warnung: Bei Patienten mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurde unter Febuxostat ein leicht erhöhtes kardiovaskuläres Risiko im Vergleich zu Allopurinol beobachtet. Eine sorgfältige Abwägung ist hier unerlässlich.
Urikosurika: Harnsäure-Ausscheider
Eine andere Gruppe von Medikamenten sind die sogenannten Urikosurika, zu denen Wirkstoffe wie Probenecid oder Benzbromaron gehören. Diese Medikamente fördern die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren, anstatt die Produktion zu hemmen. Sie werden seltener als alleinige Therapie eingesetzt, finden aber oft Anwendung in Kombination mit Allopurinol, wenn die Harnsäurewerte trotz alleiniger Gabe des Xanthinoxidasehemmer nicht ausreichend gesenkt werden können. Eine gute Nierenfunktion ist hierbei eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz. In Deutschland ist Benzbromaron nur noch eingeschränkt verfügbar.
Spezialtherapien für schwere Fälle
Für sehr schwere und chronische Gichtformen, die auf Standardtherapien nicht ansprechen (chronisch refraktäre Gicht), gibt es spezialisierte Medikamente. Pegloticase (Krystexxa®) ist ein solches Beispiel. Dieses Enzym baut Harnsäure direkt in eine besser ausscheidbare Form um. Die Verabreichung erfolgt als Infusion und ist für die schwersten Fälle reserviert.

Gichtmedikamente: Wann Sie selbst handeln können und wann der Arztbesuch unverzichtbar ist
Die Frage, welche Gichtmedikamente Sie ohne Rezept erhalten und welche ärztliche Verordnung erfordern, ist entscheidend für die richtige Selbstmedikation und die Sicherheit Ihrer Behandlung. Grundsätzlich gilt: Die Behandlung der Gicht erfordert eine sorgfältige ärztliche Begleitung.
Rezeptfrei erhältlich sind in Deutschland einige niedrig dosierte NSAR wie Ibuprofen (bis 400 mg pro Tablette) und Diclofenac (bis 25 mg pro Tablette) in kleinen Packungsgrößen. Diese können zur kurzfristigen Linderung der Schmerzen bei einem leichten Gichtanfall dienen. Dennoch ist es wichtig zu betonen, dass auch hier ein Arztbesuch dringend empfohlen wird, um die Diagnose zu sichern und die Ursache der Beschwerden abzuklären.
Rezeptpflichtig sind hingegen fast alle Medikamente, die für eine effektive und dauerhafte Gichtbehandlung notwendig sind. Dazu gehören:
- Alle Medikamente zur Harnsäuresenkung (wie Allopurinol, Febuxostat, Urikosurika)
- Colchicin
- Kortikosteroide
- Höher dosierte NSAR
Diese Medikamente erfordern eine ärztliche Verordnung, da ihre richtige Dosierung, die Überwachung auf Nebenwirkungen und die Berücksichtigung von Begleiterkrankungen unerlässlich sind. Nur Ihr Arzt kann entscheiden, welches Medikament für Sie am besten geeignet ist und wie es sicher angewendet wird.
Um optimal auf das Gespräch mit Ihrem Arzt vorbereitet zu sein, hier einige Fragen, die Sie stellen können:
- Welches Medikament ist für meinen akuten Gichtanfall am besten geeignet und warum?
- Welche Medikamente kommen für meine Langzeittherapie in Frage und welche Vor- und Nachteile haben sie für mich?
- Welche Nebenwirkungen kann das Medikament haben und worauf sollte ich achten?
- Wie lange muss ich die Medikamente einnehmen?
- Welchen Harnsäure-Zielwert streben wir an und wie oft wird dieser kontrolliert?
- Welche Lebensstiländerungen (Ernährung, Bewegung) kann ich zusätzlich zur Medikamententherapie vornehmen?
Gichtmedikamente richtig anwenden: Häufige Fehler und mögliche Nebenwirkungen
Die korrekte Anwendung von Gichtmedikamenten ist entscheidend, um ihre Wirksamkeit zu maximieren und unerwünschte Nebenwirkungen zu minimieren. Ein häufiger Fehler, der besonders bei der Einnahme von harnsäuresenkenden Medikamenten wie Allopurinol gemacht wird, ist die zu schnelle Dosissteigerung. Der bereits erwähnte "start low, go slow"-Ansatz ist hier von größter Bedeutung. Durch eine langsame Erhöhung der Dosis gibt man dem Körper Zeit, sich anzupassen, und reduziert das Risiko von Nebenwirkungen, insbesondere von Hautausschlägen oder Überempfindlichkeitsreaktionen.
Hier ist eine Übersicht über häufige Nebenwirkungen verschiedener Medikamentengruppen:
| Medikamentengruppe | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|
| NSAR | Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Bauchschmerzen), Nierenbelastung, erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Blutungen bei längerer Einnahme. |
| Colchicin | Magen-Darm-Beschwerden (Durchfall, Übelkeit, Erbrechen), Muskelschwäche bei hoher Dosierung oder Langzeitanwendung. |
| Kortikosteroide (kurzzeitig) | Meist gut verträglich; bei längerer Anwendung können jedoch Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen, Stimmungsschwankungen und ein erhöhtes Infektionsrisiko auftreten. |
| Allopurinol | Hautausschläge (von leicht bis schwer), Juckreiz. Selten: schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen (Allopurinol-Hypersensitivitätssyndrom), die lebensbedrohlich sein können. |
| Febuxostat | Leberfunktionsstörungen, Übelkeit, Durchfall, Hautausschlag. Wie erwähnt, besteht ein potenzielles kardiovaskuläres Risiko bei vorbelasteten Patienten. |
Es ist außerdem von entscheidender Bedeutung, dass Sie Ihren Arzt über alle Medikamente informieren, die Sie einnehmen auch über rezeptfreie Mittel und Nahrungsergänzungsmittel. Dies ist wichtig, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden. Beispielsweise können NSAR die Wirkung von Blutverdünnern verstärken, und Allopurinol kann die Ausscheidung bestimmter anderer Medikamente beeinflussen, was deren Wirkung verstärken kann.
Ganzheitliche Gichttherapie: So unterstützen Sie Ihre Medikamente effektiv
Medikamente sind ein wichtiger Pfeiler der Gichtbehandlung, aber sie sind nur ein Teil der Lösung. Eine ganzheitliche Therapie, die auch Lebensstiländerungen einschließt, ist entscheidend für den langfristigen Erfolg. Hierbei spielen Ernährung und Flüssigkeitszufuhr eine zentrale Rolle.
Ernährung bei Gicht:
- Zu meiden: Stark purinhaltige Lebensmittel sollten Sie meiden. Dazu gehören Innereien (Leber, Nieren), bestimmte Fischsorten (Sardinen, Hering, Makrele), Meeresfrüchte, rotes Fleisch und Fleischbrühe. Auch zuckerhaltige Getränke (insbesondere solche mit Fruktose) und Alkohol, insbesondere Bier, können die Harnsäurewerte erhöhen und Anfälle begünstigen.
- Zu bevorzugen: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten ist empfehlenswert. Auch fettarme Milchprodukte haben sich in Studien als positiv erwiesen. Achten Sie auf eine insgesamt gesunde und abwechslungsreiche Kost.
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist ebenfalls essenziell. Trinken Sie täglich mindestens 2 bis 3 Liter Wasser oder ungesüßte Tees. Dies unterstützt die Nieren dabei, die Harnsäure aus dem Körper auszuscheiden und hilft so, den Harnsäurespiegel zu senken.
Sofortmaßnahmen bei einem akuten Anfall:
- Kühlen: Legen Sie ein Kühlpack oder Eisbeutel (in ein Tuch gewickelt) auf das betroffene Gelenk. Kälte lindert Schmerz und Entzündung.
- Hochlagern: Lagern Sie das geschwollene Gelenk hoch, um den Rückfluss von Flüssigkeit zu fördern und die Schwellung zu reduzieren.
- Schonung: Vermeiden Sie Belastung des betroffenen Gelenks.
Wärme ist in der akuten Phase eines Gichtanfalls meist kontraproduktiv und kann die Entzündung und Schmerzen sogar verstärken.
