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Manfred Bruns

Manfred Bruns

11. September 2025

pAVK Diagnose: So erkennen Sie die Durchblutungsstörung Ihr Weg zur Besserung

pAVK Diagnose: So erkennen Sie die Durchblutungsstörung Ihr Weg zur Besserung

Inhaltsverzeichnis

Dieser Artikel beleuchtet die umfassende Diagnostik der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) und erklärt verständlich, welche Schritte und Verfahren notwendig sind, um diese ernstzunehmende Durchblutungsstörung frühzeitig zu erkennen und erfolgreich zu behandeln. Erfahren Sie, warum eine präzise Diagnose entscheidend für Ihre Gesundheit ist und welche Rolle moderne Methoden dabei spielen.

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Frühe pAVK-Diagnostik ist entscheidend So wird die Durchblutungsstörung der Beine erkannt.

  • Die pAVK ist eine chronische Gefäßerkrankung, meist der Beine, verursacht durch Arteriosklerose, die ein hohes kardiovaskuläres Risiko anzeigt.
  • Die Diagnostik beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung durch den Arzt.
  • Der Knöchel-Arm-Index (ABI) ist ein einfacher, nicht-invasiver Test, bei dem ein Wert unter 0,9 pathologisch ist und auf eine pAVK hinweist.
  • Die farbkodierte Duplexsonographie (Ultraschall) ist die bildgebende Methode der ersten Wahl zur genauen Lokalisation und Beurteilung von Gefäßverengungen.
  • Bei Bedarf kommen weitere bildgebende Verfahren wie CT- oder MR-Angiographie zum Einsatz, die detaillierte Einblicke in die Gefäße ermöglichen.
  • Die Stadieneinteilung nach Fontaine (von symptomfrei bis kritisch) hilft, den Schweregrad der pAVK zu bestimmen und die weitere Therapie zu planen.

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz pAVK, ist eine heimtückische chronische Erkrankung, die vor allem die Arterien in unseren Beinen betrifft. Ursächlich ist meist die Arteriosklerose, also die Verkalkung der Gefäße. Viele kennen sie unter dem Begriff "Schaufensterkrankheit", weil die Betroffenen beim Gehen Schmerzen in den Beinen bekommen, die nach einer kurzen Pause wieder verschwinden. Doch die pAVK ist weit mehr als nur ein kosmetisches Problem oder eine reine Beinerkrankung. Sie ist ein ernstes Warnsignal des Körpers, das auf ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall hinweist. Die Arteriosklerose, die die pAVK verursacht, ist eine systemische Erkrankung, das heißt, sie betrifft oft mehrere Gefäßsysteme im Körper gleichzeitig. Daher ist es von größter Bedeutung, die pAVK frühzeitig und präzise zu diagnostizieren, um nicht nur die Beschwerden in den Beinen zu lindern, sondern auch das allgemeine kardiovaskuläre Risiko zu minimieren. Der Weg zur Diagnose umfasst dabei verschiedene Schritte, von einem ausführlichen Gespräch mit Ihrem Arzt bis hin zu spezialisierten bildgebenden Verfahren, die uns präzise Einblicke in Ihre Gefäße gewähren.

Arzt-Patienten-Gespräch pAVK

Der erste Schritt: Gespräch mit dem Arzt und körperliche Untersuchung

Alles beginnt mit einem offenen und ehrlichen Gespräch der sogenannten Anamnese. Ihr Arzt wird Ihnen gezielte Fragen stellen, um ein klares Bild Ihrer Beschwerden und Ihrer persönlichen Risikofaktoren zu erhalten. Dazu gehören typischerweise Fragen wie:

  • Wo genau treten die Schmerzen auf und wie würden Sie sie beschreiben?
  • Wie weit können Sie schmerzfrei gehen, bevor die Beschwerden einsetzen?
  • Sind Sie Raucher?
  • Leiden Sie an Diabetes, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen?
  • Gibt es in Ihrer Familie Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Durchblutungsstörungen?

Nach dem Gespräch folgt die sorgfältige körperliche Untersuchung. Hierbei wird der Arzt versuchen, die Pulse in Ihren Beinen zu tasten von der Leiste über die Kniekehle bis hin zum Fußrücken. Die Qualität dieser Pulse gibt erste Hinweise auf die Durchblutung. Ebenso wichtig ist die Inspektion der Haut: Ist sie blass oder warm? Gibt es Auffälligkeiten im Haarwuchs oder gar schlecht heilende Wunden? Ein weiterer wichtiger Test ist der Ratschow-Lagerungstest. Dabei werden Ihre Beine zunächst hochgelagert, bis sie blass werden, und dann im Sitzen herabhängen gelassen. Beobachtet wird, wie schnell sich die normale Hautfarbe wieder einstellt und die Venen sich füllen. Dies gibt dem erfahrenen Arzt bereits wertvolle Hinweise auf die Durchblutungsreserve Ihrer Beine.

Der Knöchel-Arm-Index (ABI): Goldstandard der pAVK-Basisdiagnostik

Der Knöchel-Arm-Index, kurz ABI (Ankle-Brachial Index), ist eine der wichtigsten und gleichzeitig einfachsten Methoden zur Diagnose der pAVK. Er ist nicht-invasiv, kostengünstig und liefert doch sehr präzise Ergebnisse. Die Messung ist denkbar einfach: Mit einer speziellen Manschette wird der systolische Blutdruck an beiden Armen und anschließend an beiden Knöcheln gemessen. Der systolische Blutdruck am Knöchel wird dann durch den systolischen Blutdruck am Arm geteilt. Das Ergebnis ist der ABI-Wert. Dieser einfache Test ist ein Eckpfeiler der Basisdiagnostik.

Die Interpretation der ABI-Werte ist entscheidend:

ABI-Wert Bedeutung
> 1,3 Hinweis auf nicht komprimierbare, verkalkte Gefäße (oft bei Diabetikern), weitere Diagnostik notwendig
0,91 - 1,3 Normalbefund, keine pAVK
≤ 0,9 Pathologischer Befund, pAVK liegt vor

Für bestimmte Personengruppen ist eine regelmäßige Messung des ABI besonders ratsam, um eine pAVK frühzeitig zu erkennen, bevor sie ernsthafte Beschwerden verursacht:

  • Diabetiker
  • Raucher
  • Patienten mit Bluthochdruck
  • Personen mit Fettstoffwechselstörungen
  • Alle Personen über 60 Jahre

Farbkodierte Duplexsonographie Beinarterien

Blick in die Gefäße: Moderne Bildgebung für die Detailanalyse

Wenn der Verdacht auf eine pAVK besteht oder der ABI-Wert auffällig ist, kommen moderne bildgebende Verfahren zum Einsatz, um das Ausmaß und die genaue Lokalisation von Gefäßverengungen (Stenosen) zu beurteilen. Die farbkodierte Duplexsonographie (FKDS) ist hierbei die Methode der ersten Wahl. Dieses schmerzfreie Ultraschallverfahren ermöglicht es uns, die Blutgefäße nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch den Blutfluss farblich darzustellen und die Geschwindigkeit des Blutes zu messen. So können wir Engstellen präzise lokalisieren und ihren Schweregrad beurteilen.

Manchmal sind jedoch detailliertere Einblicke nötig, insbesondere wenn eine interventionelle Behandlung wie eine Ballondilatation oder eine Operation geplant ist. Hier kommen die Computertomographie-Angiographie (CT-Angiographie) und die Magnetresonanz-Angiographie (MR-Angiographie) zum Einsatz. Beide Verfahren nutzen Kontrastmittel, um die Arterien dreidimensional darzustellen und uns ein exaktes Bild vom Zustand der Gefäße zu liefern. Die klassische Digitale Subtraktionsangiographie (DSA), bei der ein Katheter direkt in die Arterien eingeführt wird, ist ein invasiveres Verfahren. Sie wird heute aber oft direkt mit einer therapeutischen Maßnahme wie dem Aufdehnen einer Engstelle kombiniert.

Fontaine Klassifikation pAVK Tabelle

Von symptomfrei bis kritisch: Die Stadieneinteilung der pAVK

Um den Schweregrad der pAVK zu erfassen und die Therapie entsprechend anzupassen, hat sich die Einteilung nach Fontaine etabliert. Sie hilft uns, den Krankheitsverlauf besser zu verstehen und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen:

Stadium I: In diesem Stadium haben die Patienten noch keine Beschwerden. Die Krankheit ist also symptomfrei. Ein pathologischer Befund, wie ein auffälliger ABI-Wert, kann jedoch bereits nachweisbar sein. Dies ist ein wichtiger Zeitpunkt, um präventiv tätig zu werden.

Stadium II: Hier treten die typischen belastungsabhängigen Schmerzen auf, die sogenannte Claudicatio intermittens oder Schaufensterkrankheit. Man unterscheidet hier weiter: Stadium IIa bedeutet, dass Sie noch über 200 Meter schmerzfrei gehen können. Bei Stadium IIb ist die schmerzfreie Gehstrecke bereits auf unter 200 Meter verkürzt.

Stadium III: In diesem Stadium treten die Schmerzen bereits in Ruhe auf, oft nachts oder im Liegen. Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Durchblutung auch ohne Belastung stark eingeschränkt ist und dringender Handlungsbedarf besteht.

Stadium IV: Dies ist das fortgeschrittenste Stadium, gekennzeichnet durch Gewebeverlust. Es können schlecht heilende Wunden, Geschwüre (Ulzerationen) oder sogar abgestorbenes Gewebe (Nekrosen, Gangrän) auftreten. In diesem Stadium besteht höchste Dringlichkeit, um eine Amputation zu verhindern.

Diagnose pAVK: Was bedeutet das für Sie und Ihre nächsten Schritte?

Die Diagnose einer pAVK ist ein wichtiger Weckruf, aber kein Grund zur Panik. Vielmehr ist es der Anstoß, aktiv etwas für Ihre Gesundheit zu tun. Ihre Mitarbeit ist entscheidend für den Erfolg der Behandlung und die Verbesserung Ihrer Lebensqualität. Glücklicherweise gibt es viele Dinge, die Sie selbst tun können, um den Verlauf der pAVK positiv zu beeinflussen:

  • Raucherentwöhnung: Wenn Sie rauchen, ist dies der wichtigste Schritt, den Sie gehen können.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Kost mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt Ihre Gefäßgesundheit.
  • Regelmäßige Bewegung: Gezieltes Gehtraining, wie von Ihrem Arzt empfohlen, verbessert die Durchblutung.
  • Optimale Einstellung von Risikofaktoren: Achten Sie auf gut eingestellte Werte für Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin.

Neben diesen Lebensstiländerungen gibt es eine Reihe von Therapiemöglichkeiten, die von Medikamenten über interventionelle Verfahren bis hin zu chirurgischen Eingriffen reichen. Entscheidend ist eine individuell abgestimmte Therapie. Um dies zu gewährleisten, ist die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachärzte unerlässlich. Ihr Hausarzt spielt eine zentrale Rolle als Lotse, der Sie an Spezialisten wie Angiologen (Gefäßärzte) oder Gefäßchirurgen überweist, falls notwendig. Nur durch diesen interdisziplinären Ansatz können wir sicherstellen, dass Sie die bestmögliche und umfassendste Versorgung erhalten.

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Manfred Bruns

Manfred Bruns

Ich bin Manfred Bruns und bringe über 15 Jahre Erfahrung im Bereich Gesundheit mit. In dieser Zeit habe ich umfassende Kenntnisse in der Prävention, Gesundheitsförderung und der ganzheitlichen Medizin erworben. Mein akademischer Hintergrund in Gesundheitswissenschaften sowie meine kontinuierliche Weiterbildung in verschiedenen Therapieansätzen ermöglichen es mir, fundierte und evidenzbasierte Informationen zu vermitteln. Meine Spezialisierung liegt in der Aufklärung über gesunde Lebensweisen und die Bedeutung von Prävention für ein langes, erfülltes Leben. Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, seine Gesundheit aktiv zu gestalten, und ich setze mich dafür ein, diese Botschaft zu verbreiten. Durch meine Artikel auf dieser Plattform möchte ich Leserinnen und Leser dazu inspirieren, informierte Entscheidungen zu treffen und ihre Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen. Ich lege großen Wert auf die Genauigkeit und Verlässlichkeit der Informationen, die ich teile. Mein Ziel ist es, eine vertrauensvolle Quelle für alle zu sein, die sich für ihre Gesundheit interessieren und nach praktischen Tipps und wissenschaftlich fundierten Ratschlägen suchen.

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