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Manfred Bruns

Manfred Bruns

17. September 2025

Brustultraschall Vorsorge: Wann lohnt sich die Untersuchung?

Brustultraschall Vorsorge: Wann lohnt sich die Untersuchung?

Inhaltsverzeichnis

Der Brustultraschall, auch Mammasonographie genannt, ist eine bildgebende Untersuchungsmethode, die Schallwellen nutzt, um das Innere der Brust darzustellen. In diesem Artikel beleuchten wir, wann diese Untersuchung als Vorsorge für Sie persönlich sinnvoll sein kann, welche Vorteile sie bietet, welche Kosten auf Sie zukommen könnten und welche Risiken es zu bedenken gilt. Ziel ist es, Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu liefern, damit Sie gut vorbereitet in das Gespräch mit Ihrem Arzt gehen können.

Brustultraschall als Vorsorge: Wann die Mammasonographie eine wertvolle Ergänzung ist

  • Der Brustultraschall ist besonders sinnvoll bei dichtem Brustgewebe und für Frauen mit familiärem Brustkrebsrisiko, da er die Entdeckungsrate von Tumoren verbessern kann.
  • Er dient als Ergänzung zur Mammographie, nicht als Ersatz, und kann unklare Befunde präzisieren.
  • Die Untersuchung ist meist eine "Individuelle Gesundheitsleistung" (IGeL), deren Kosten (oft 30-80 Euro) von der Patientin selbst getragen werden müssen.
  • Der Nutzen des Ultraschalls als alleinige Screening-Methode zur Senkung der Brustkrebssterblichkeit ist laut IGeL-Monitor "unklar".
  • Mögliche Nachteile sind falsch-positive Befunde, die zu unnötiger Beunruhigung und weiterer Diagnostik führen können.
  • Vorteile umfassen die fehlende Strahlenbelastung und die gute Beurteilbarkeit von Zysten.

Brustultraschall Untersuchung

Brustultraschall als Vorsorge: Lohnt sich die Untersuchung für mich persönlich?

Die Diskussion um den Brustultraschall als Vorsorgeuntersuchung ist vielschichtig. Aktuell wird er in der Regel als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten, was bedeutet, dass die Kosten meist von der Patientin selbst getragen werden müssen. Der IGeL-Monitor, eine unabhängige Bewertung von Gesundheitsleistungen, stuft den Nutzen des Ultraschalls zur Früherkennung als "unklar" ein. Das liegt daran, dass zwar mehr Karzinome gefunden werden können, aber bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, dass dies die Sterblichkeit an Brustkrebs senkt. Die aktuellen S3-Leitlinien (Stand 2025) empfehlen den Ultraschall daher nicht als alleinige Screening-Methode für die allgemeine Bevölkerung. Seine Stärken liegen vielmehr in der Abklärung von Symptomen und bei Frauen mit einem nachweislich hohen Risiko.

Für wen die Antwort "Ja" lauten könnte: Ein erster Überblick

  • Frauen mit dichtem Brustgewebe.
  • Frauen mit einem familiär erhöhten Brustkrebsrisiko.
  • Zur Abklärung von unklaren Befunden, die in einer Mammographie entdeckt wurden.

Was genau passiert bei einem Brustultraschall?

Ein Brustultraschall, auch Mammasonographie genannt, ist ein schmerzfreies und nicht-invasives Verfahren. Dabei wird ein Gel auf die Brust aufgetragen, und die Untersucherin oder der Untersucher fährt mit einem Schallkopf über die Haut. Dieser Schallkopf sendet Ultraschallwellen aus, die vom Gewebe reflektiert werden und so ein Bild der inneren Strukturen der Brust auf einem Monitor erzeugen. Ein entscheidender Vorteil ist, dass diese Untersuchung ohne jegliche Strahlenbelastung auskommt.

Ultraschall vs. Mammographie: Zwei Verfahren mit unterschiedlichen Stärken

Es ist wichtig zu verstehen, dass Brustultraschall und Mammographie sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern sich ideal ergänzen. Die Mammographie ist nach wie vor das Standardverfahren für die gesetzliche Brustkrebsfrüherkennung, besonders für Frauen ab 50 Jahren, da sie sehr gut winzige Verkalkungen (Mikrokalk) darstellen kann, die ein frühes Zeichen für bestimmte Krebsarten sein können. Der Ultraschall hingegen spielt seine Stärken aus, wenn das Brustgewebe sehr dicht ist und die Mammographie dadurch an Aussagekraft verliert. Er ist zudem exzellent darin, flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Zysten) zu erkennen und zu beurteilen. Eine Einschränkung des Ultraschalls ist jedoch, dass er stark von der Erfahrung des Untersuchers abhängt und Mikrokalk schlechter erkennen lässt.

Merkmal Brustultraschall (Mammasonographie) Mammographie
Strahlenbelastung Nein Ja (gering)
Darstellung von dichtem Gewebe Gut Eingeschränkt
Erkennung von Mikrokalk Schlecht Gut
Beurteilung von Zysten Sehr gut Weniger gut
Untersucherabhängigkeit Hoch Gering
Kosten (als reine Vorsorge) Meist Selbstzahler (IGeL) Kassenleistung (gesetzliches Screening)

Dichtes Brustgewebe Ultraschall Mammographie

Der entscheidende Vorteil: Warum der Ultraschall bei dichtem Brustgewebe oft mehr erkennt

Wenn von "dichtem Brustgewebe" die Rede ist, meint man damit Brustgewebe, das reich an Drüsen- und Bindegewebe ist und weniger Fettgewebe enthält. Dies ist besonders häufig bei jüngeren Frauen der Fall. Das Problem bei dichtem Gewebe ist, dass sowohl Tumore als auch das dichte Gewebe selbst auf einer Mammographie hell erscheinen. Dies kann dazu führen, dass ein Tumor im dichten Gewebe quasi "maskiert" wird und schwer zu erkennen ist. Der Ultraschall umgeht dieses Problem, da er auf den Unterschieden in der Gewebestruktur basiert und Schallwellen unterschiedlich reflektiert werden. So kann der Ultraschall Tumore in dichtem Gewebe oft besser sichtbar machen, wo die Mammographie an ihre Grenzen stößt, und somit die Entdeckungsrate potenziell erhöhen.

Wann der Brustultraschall als Vorsorge besonders sinnvoll ist

Bei Frauen, in deren Familie Brustkrebs gehäuft aufgetreten ist beispielsweise bei direkten Verwandten ersten Grades wie Mutter oder Schwester , kann ein familiär erhöhtes Brustkrebsrisiko bestehen. In solchen Fällen kann eine engmaschigere oder ergänzende Vorsorge sinnvoll sein, und der Brustultraschall kann hier eine wertvolle Rolle spielen, um das Krebsrisiko besser zu überwachen.

Für jüngere Frauen ist der Brustultraschall oft eine attraktive Methode, da ihr Brustgewebe häufig noch sehr dicht ist. Wie bereits erwähnt, kann der Ultraschall hier Tumore besser aufspüren als die Mammographie. Hinzu kommt, dass der Ultraschall keine Strahlenbelastung verursacht, was gerade bei jüngeren Frauen, die potenziell noch viele Jahre Vorsorgeuntersuchungen vor sich haben, ein wichtiger Aspekt ist.

Wenn die Mammographie einen unklaren oder verdächtigen Befund zeigt, kommt der Ultraschall häufig als nächster Schritt zum Einsatz. Er kann helfen, festzustellen, ob es sich bei dem gefundenen Areal um eine harmlose Zyste handelt oder ob weitere Abklärungen, wie beispielsweise eine Gewebeprobe (Biopsie), notwendig sind. So dient der Ultraschall hier als wichtiges Werkzeug zur Präzisierung der Diagnose.

IGeL Kosten Arztpraxis

Die Kostenfrage: Warum der Brustultraschall oft eine IGeL-Leistung ist

Der Begriff "Individuelle Gesundheitsleistung" (IGeL) bezeichnet medizinische Leistungen, die über den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen hinausgehen. Das bedeutet, dass diese Leistungen nicht automatisch von den Krankenkassen übernommen werden und die Patientin sie daher aus eigener Tasche bezahlen muss, wenn sie diese wünscht.

Der Brustultraschall zur reinen Vorsorge, also ohne konkreten Verdacht oder Symptome, fällt in der Regel unter diese Kategorie. Obwohl die Untersuchung von vielen Frauen nachgefragt wird sie landete 2024 auf Platz 6 der meistgefragten IGeL-Leistungen , bewertet der IGeL-Monitor ihren Nutzen zur Früherkennung als "unklar". Die Kosten für eine solche Untersuchung liegen meist zwischen 30 und 80 Euro, können aber je nach Praxis und Umfang variieren.

Grundsätzlich übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den Brustultraschall als reine Vorsorgeuntersuchung nicht standardmäßig. Es gibt jedoch Ausnahmen: Manche Krankenkassen bieten im Rahmen ihrer Satzungsleistungen oder über Bonusprogramme die Kostenübernahme für bestimmte IGeL-Leistungen an. Es ist daher ratsam, sich bei der eigenen Krankenkasse zu erkundigen, ob eine Kostenübernahme möglich ist. Bei einem konkreten medizinischen Verdacht oder wenn Symptome vorliegen, ist die Kostenübernahme durch die Krankenkasse in der Regel anders geregelt und wird dann als notwendige medizinische Leistung betrachtet.

Eine kritische Betrachtung: Risiken und offene Fragen der Brustultraschall-Vorsorge

Ein wesentlicher Nachteil des Brustultraschalls, insbesondere wenn er als alleinige Vorsorgemethode eingesetzt wird, ist die potenziell höhere Rate an falsch-positiven Befunden. Das bedeutet, dass die Untersuchung Auffälligkeiten zeigt, die sich später als harmlos herausstellen. Dies kann zu unnötiger Beunruhigung bei der Patientin führen, psychischen Stress verursachen und weitere, oft invasive Diagnostiken wie eine Biopsie nach sich ziehen, die dann ebenfalls keine bösartige Erkrankung bestätigen. Diesen Weg der Überdiagnostik gilt es zu vermeiden.

Die S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (Stand 2025) positioniert den Ultraschall klar: Er wird nicht als alleinige Screening-Methode für die breite Bevölkerung empfohlen. Seine Stärke liegt vielmehr in der individualisierten, risikoadaptierten Vorsorge. Das bedeutet, er ist besonders wertvoll, wenn spezifische Risikofaktoren vorliegen oder zur Abklärung von Symptomen.

Die zentrale, aber bisher unbeantwortete Frage, die auch der IGeL-Monitor hervorhebt, ist die nach der tatsächlichen Senkung der Brustkrebssterblichkeit. Obwohl der Ultraschall mehr Karzinome finden kann, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig belegt, dass diese erhöhte Entdeckungsrate im Rahmen der reinen Vorsorge tatsächlich dazu führt, dass weniger Frauen an Brustkrebs sterben. Dies ist ein entscheidender Punkt bei der Nutzenbewertung.

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Ihr Weg zur Entscheidung: So bereiten Sie das Gespräch mit Ihrer Ärztin vor

  1. Habe ich dichtes Brustgewebe, und wie beurteilen Sie dessen Einfluss auf die Aussagekraft der Mammographie?
  2. Besteht bei mir aufgrund meiner Familiengeschichte oder anderer Faktoren ein erhöhtes Brustkrebsrisiko?
  3. Welche Kosten würden für einen Brustultraschall als reine Vorsorgeuntersuchung anfallen, und gibt es Möglichkeiten, dass meine Krankenkasse diese (teilweise) übernimmt?
  4. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie persönlich in meinem speziellen Fall, wenn wir einen Brustultraschall als Ergänzung zur Mammographie in Betracht ziehen?
  5. Wie oft würden Sie eine solche ergänzende Untersuchung empfehlen?
  • Familiäre Vorbelastung: Gibt es Brustkrebsfälle in Ihrer nahen Familie (Eltern, Geschwister, Kinder)?
  • Alter und Gewebebeschaffenheit: Sind Sie jünger und haben vermutlich dichteres Brustgewebe?
  • Persönliche Risikofaktoren: Haben Sie andere bekannte Risikofaktoren wie bestimmte Hormontherapien oder genetische Prädispositionen?

Um eine informierte und für Sie passende Entscheidung zu treffen, sollten Sie die potenziellen Vorteile des Brustultraschalls insbesondere bei dichtem Gewebe oder familiärer Vorbelastung gegen die Kosten als IGeL-Leistung und die Möglichkeit von falsch-positiven Befunden abwägen. Das persönliche Gespräch mit Ihrem Gynäkologen ist hierbei unerlässlich. Er kann Ihr individuelles Risikoprofil am besten einschätzen und Sie kompetent beraten, ob und in welchem Umfang eine ergänzende Ultraschalluntersuchung für Sie sinnvoll ist. Vertrauen Sie auch auf Ihr Bauchgefühl: Wenn Sie sich mit einer zusätzlichen Untersuchung sicherer fühlen und die Kosten dafür tragen möchten, ist das ebenfalls ein wichtiger Faktor bei Ihrer persönlichen Wahl.

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Manfred Bruns

Manfred Bruns

Ich bin Manfred Bruns und bringe über 15 Jahre Erfahrung im Bereich Gesundheit mit. In dieser Zeit habe ich umfassende Kenntnisse in der Prävention, Gesundheitsförderung und der ganzheitlichen Medizin erworben. Mein akademischer Hintergrund in Gesundheitswissenschaften sowie meine kontinuierliche Weiterbildung in verschiedenen Therapieansätzen ermöglichen es mir, fundierte und evidenzbasierte Informationen zu vermitteln. Meine Spezialisierung liegt in der Aufklärung über gesunde Lebensweisen und die Bedeutung von Prävention für ein langes, erfülltes Leben. Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, seine Gesundheit aktiv zu gestalten, und ich setze mich dafür ein, diese Botschaft zu verbreiten. Durch meine Artikel auf dieser Plattform möchte ich Leserinnen und Leser dazu inspirieren, informierte Entscheidungen zu treffen und ihre Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen. Ich lege großen Wert auf die Genauigkeit und Verlässlichkeit der Informationen, die ich teile. Mein Ziel ist es, eine vertrauensvolle Quelle für alle zu sein, die sich für ihre Gesundheit interessieren und nach praktischen Tipps und wissenschaftlich fundierten Ratschlägen suchen.

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