Ein Gallenstau, medizinisch als Cholestase bezeichnet, ist ein ernstzunehmender Zustand, der entsteht, wenn der Gallenfluss von der Leber in den Zwölffingerdarm blockiert ist. Die frühzeitige Erkennung der Symptome ist entscheidend, um schwerwiegende gesundheitliche Folgen zu vermeiden. In diesem Artikel beleuchten wir die wichtigsten Warnsignale, die auf einen Gallengangverschluss hindeuten können.
Verstopfte Gallengänge: Diese Warnsignale deuten auf einen Gallenstau hin und erfordern ärztliche Abklärung.
- Gelbsucht, dunkler Urin und heller Stuhl sind klassische Anzeichen für einen Gallenstau.
- Starker Juckreiz am ganzen Körper kann auf die Ablagerung von Gallensalzen in der Haut hindeuten.
- Schmerzen im rechten Oberbauch, Übelkeit und Verdauungsprobleme sind häufige Begleitsymptome.
- Gallensteine sind die häufigste Ursache, aber auch Entzündungen oder Tumoren können eine Blockade verursachen.
- Eine schnelle Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um schwere Komplikationen wie Leberzirrhose oder Sepsis zu vermeiden.
Die stille Gefahr im Oberbauch: Was passiert, wenn die Galle nicht mehr fließt?
Wenn die Gallengänge blockiert sind, kann die Galle, die in der Leber produziert wird und für die Verdauung von Fetten sowie die Ausscheidung von Bilirubin wichtig ist, nicht mehr abfließen. Dies führt zu einer Rückstauung von Bilirubin, einem Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, in den Blutkreislauf. Normalerweise wird Bilirubin über die Galle in den Darm ausgeschieden und mit dem Stuhl aus dem Körper transportiert. Ein Gallenstau beeinträchtigt nicht nur die Verdauung, sondern kann auch zu einer Reihe von unangenehmen und potenziell gefährlichen Symptomen führen.
Die normale Funktion der Galle ist vielfältig: Sie hilft bei der Emulgierung und Verdauung von Nahrungsfetten im Dünndarm, erleichtert die Aufnahme fettlöslicher Vitamine und spielt eine entscheidende Rolle bei der Entgiftung der Leber, indem sie Abbauprodukte wie Bilirubin und Cholesterin ausscheidet. Ist dieser Prozess gestört, sammeln sich diese Stoffe im Körper an, was die charakteristischen Anzeichen eines Gallenstaus hervorruft.

Die wichtigsten Warnsignale: Erkennen Sie die Anzeichen eines Gallengangverschlusses
Symptom Nr. 1: Gelbsucht (Ikterus) Mehr als nur eine Hautveränderung
Eines der auffälligsten und bekanntesten Symptome eines Gallenstaus ist die Gelbsucht, auch Ikterus genannt. Dabei verfärbt sich die Haut, das Weiße in den Augen (Sklera) und manchmal auch die Schleimhäute gelblich. Diese Verfärbung entsteht durch die erhöhte Konzentration von Bilirubin im Blut, das sich im Gewebe ablagert. Die Intensität der Gelbfärbung kann variieren, von einem leichten Gelbton bis hin zu einer tiefen, orangegelben Farbe.
Symptom Nr. 2 & 3: Dunkler Urin und heller Stuhl Was die Farbe verrät
Die Farbe von Urin und Stuhl kann wichtige Hinweise auf einen Gallenstau geben. Wenn die Leber überschüssiges Bilirubin nicht mehr über die Galle ausscheiden kann, versucht sie, es über die Nieren auszuscheiden. Dies führt dazu, dass der Urin eine ungewöhnlich dunkle Farbe annimmt, oft beschrieben als bierbraun oder dunkelgelb. Gleichzeitig fehlen die Gallenfarbstoffe im Darm, die dem Stuhl normalerweise seine charakteristische braune Farbe verleihen. Daher wird der Stuhl bei einem Gallenstau typischerweise hell, lehmfarben oder fast weiß.
Symptom Nr. 4: Unerträglicher Juckreiz (Pruritus) Ein alarmierendes Zeichen der Haut
Ein starker, oft quälender Juckreiz am ganzen Körper ist ein weiteres häufiges und belastendes Symptom eines Gallenstaus. Dieser Pruritus wird durch die Ablagerung von Gallensalzen in der Haut verursacht. Diese Salze reizen die Nervenenden in der Haut und lösen das Gefühl des Juckens aus. Der Juckreiz kann so intensiv sein, dass er den Schlaf und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt und oft auch nach Abklingen anderer Symptome noch lange bestehen bleibt.
Symptom Nr. 5: Schmerzen im rechten Oberbauch Von der Kolik zum Dauerschmerz
Schmerzen im rechten Oberbauch sind ein weiteres typisches Anzeichen für Probleme mit den Gallengängen. Diese Schmerzen können ganz unterschiedlich empfunden werden. Manchmal treten sie plötzlich und krampfartig auf, was als Gallenkolik bezeichnet wird und oft durch die Bewegung von Gallensteinen verursacht wird. In anderen Fällen handelt es sich um einen dumpfen, anhaltenden Schmerz, der auf eine Entzündung oder eine länger andauernde Blockade hinweisen kann. Die Schmerzen können in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen.
Symptom Nr. 6 & 7: Übelkeit, Erbrechen und Fettintoleranz Wenn die Verdauung streikt
Wenn die Galle nicht mehr richtig in den Dünndarm gelangen kann, ist die Fettverdauung stark beeinträchtigt. Dies kann zu Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und einem allgemeinen Gefühl der Völle führen. Viele Betroffene entwickeln eine Unverträglichkeit gegenüber fettreichen Speisen, da ihr Körper diese Fette nicht mehr adäquat verarbeiten kann. Blähungen und ein aufgeblähter Bauch sind ebenfalls häufige Begleiterscheinungen, die auf die gestörte Verdauungsprozesse im Darm hinweisen.
Woher kommt die Blockade? Häufige Ursachen für verstopfte Gallengänge
Gallensteine auf Wanderschaft: Die Hauptursache für einen akuten Verschluss
Die mit Abstand häufigste Ursache für einen akuten Verschluss der Gallengänge sind Gallensteine. Diese können sich in der Gallenblase bilden und im Laufe der Zeit wachsen. Wenn ein Gallenstein aus der Gallenblase in den Hauptgallengang (Ductus choledochus) wandert und dort stecken bleibt, blockiert er den Fluss der Galle. Dieses Phänomen wird als Choledocholithiasis bezeichnet und ist oft mit starken Schmerzen und den typischen Symptomen eines Gallenstaus verbunden.
Entzündungen und Strikturen: Wenn Schwellungen den Weg verengen
Neben Gallensteinen können auch Entzündungen eine Blockade der Gallengänge verursachen. Eine Entzündung der Gallengänge selbst, medizinisch Cholangitis genannt, oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), die eng mit dem Gallensystem verbunden ist, kann zu Schwellungen führen, die den Gallenfluss behindern. Auch narbige Verengungen, sogenannte Strikturen, können den Gallengang blockieren. Diese entstehen oft nach Operationen im Bauchraum oder als Folge chronischer Entzündungsprozesse.
Tumoren und Zysten: Wenn der Gallengang von innen oder außen blockiert wird
Tumoren stellen eine weitere, oft ernste Ursache für Gallengangverschlüsse dar. Gutartige oder bösartige Tumoren, die von den Gallengängen selbst, der Gallenblase, der Bauchspeicheldrüse oder sogar der Leber ausgehen, können die Gänge von außen durch Druck einengen oder von innen durch ihr Wachstum blockieren. In selteneren Fällen können auch angeborene Fehlbildungen der Gallengänge, insbesondere bei Kindern, zu einem Gallenstau führen.
Der Weg zur Gewissheit: Wie Ärzte einen Gallenstau diagnostizieren
Das erste Gespräch: Warum Ihre Symptombeschreibung so entscheidend ist
Der erste und oft wichtigste Schritt zur Diagnose eines Gallenstaus ist das ausführliche Gespräch zwischen Arzt und Patient, die sogenannte Anamnese. Hier schildern Sie Ihre Beschwerden, deren Beginn, Dauer und Intensität. Der Arzt wird gezielt nach den typischen Symptomen wie Gelbsucht, Juckreiz, Schmerzen im Oberbauch, Veränderungen von Urin und Stuhl sowie Verdauungsbeschwerden fragen. Ergänzt wird dies durch eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt den Bauch abtastet und auf Anzeichen wie eine vergrößerte Gallenblase oder Druckempfindlichkeit achtet.
Blick ins Innere: Ultraschall und Blutwerte als erste diagnostische Schritte
Nach der Anamnese und körperlichen Untersuchung kommen bildgebende Verfahren und Laboruntersuchungen zum Einsatz. Blutuntersuchungen geben Aufschluss über die Funktion von Leber und Galle. Typische Marker, die bei einem Gallenstau erhöht sind, sind Bilirubin, die Alkalische Phosphatase (AP) und die Gamma-Glutamyltransferase (GGT). Der Ultraschall (Sonographie) ist hierbei das Mittel der Wahl, um die Gallenblase und die Gallengänge darzustellen. Er kann Gallensteine, eine erweiterte Gallenblase oder aufgestaute Galle im Gangsystem sichtbar machen.

Spezialuntersuchungen im Detail: Wann ERCP und MRCP notwendig werden
Wenn die ersten Untersuchungen keine eindeutigen Ergebnisse liefern oder wenn eine direkte therapeutische Maßnahme geplant ist, kommen spezialisiertere Verfahren zum Einsatz. Die ERCP (Endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie) ist ein endoskopisches Verfahren, bei dem ein dünner Schlauch mit einer Kamera über Mund, Speiseröhre und Magen bis in den Zwölffingerdarm vorgeschoben wird. Von dort wird ein Kontrastmittel in die Gallengänge gespritzt, um sie unter Röntgenkontrolle sichtbar zu machen. Mit der ERCP können oft nicht nur Blockaden wie Gallensteine diagnostiziert, sondern auch direkt entfernt oder Engstellen aufgedehnt werden. Eine Alternative, die keine endoskopische Untersuchung erfordert, ist die MRCP (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie). Dieses MRT-Verfahren liefert hochauflösende Bilder der Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge und ist besonders gut geeignet, um Engstellen oder Tumore zu erkennen.
Warum schnelles Handeln entscheidend ist: Mögliche Komplikationen
Von der Infektion zur Sepsis: Die Gefahr einer akuten Gallengangsentzündung (Cholangitis)
Ein unbehandelter Gallenstau schafft ein ideales Milieu für Bakterien. Stehende Galle kann sich infizieren, was zu einer akuten Gallengangsentzündung, der Cholangitis, führt. Dies ist ein medizinischer Notfall, der sich durch Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen im rechten Oberbauch und Gelbsucht äußern kann. Ohne schnelle Behandlung kann sich die Infektion auf den gesamten Körper ausbreiten und zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung, der Sepsis, führen.
Langfristige Leberschäden: Wie ein chronischer Gallenstau zur Zirrhose führen kann
Wenn der Gallenfluss über einen längeren Zeitraum hinweg chronisch gestört ist, übt der Rückstau einen ständigen Druck auf die Leberzellen aus. Dies kann zu fortschreitenden Leberschäden führen. Im schlimmsten Fall kann sich das gesunde Lebergewebe durch Bindegewebe ersetzen, was als Leberzirrhose bezeichnet wird. Eine biliäre Zirrhose, die durch chronischen Gallenstau verursacht wird, beeinträchtigt die Leberfunktion erheblich und kann im Endstadium zu Leberversagen führen.
Die bedrohliche Nachbarschaft: Das Risiko einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung
Die Gallengänge und der Hauptausführungsgang der Bauchspeicheldrüse münden gemeinsam in den Zwölffingerdarm. Wenn ein Gallenstein diesen gemeinsamen Ausgang blockiert, kann dies nicht nur den Gallenfluss, sondern auch den Fluss der Bauchspeicheldrüsenflüssigkeit behindern. Dies kann zu einer schmerzhaften und potenziell gefährlichen Entzündung der Bauchspeicheldrüse, der akuten Pankreatitis, führen. Auch die Bildung von Leberabszessen, also Eiteransammlungen in der Leber, ist eine mögliche Komplikation eines unbehandelten Gallenstaus.
Behandlungsmöglichkeiten: Wie verstopfte Gallengänge wieder frei werden
Endoskopische Verfahren (ERCP): Die minimal-invasive Lösung zur Steinentfernung
Die ERCP hat sich als eine der wichtigsten Methoden zur Behandlung von Gallengangverschlüssen etabliert, insbesondere wenn Gallensteine die Ursache sind. Über das Endoskop können die Steine oft direkt aus dem Gallengang entfernt werden. Auch Engstellen (Strikturen) können während der ERCP mit speziellen Instrumenten aufgedehnt oder mit kleinen Röhrchen (Stents) offengehalten werden, um den Gallenfluss wiederherzustellen.
Chirurgische Eingriffe: Wann eine Operation unumgänglich ist
In einigen Fällen sind endoskopische Verfahren allein nicht ausreichend oder nicht möglich. Dies kann bei sehr großen Gallensteinen, komplexen Verengungen, Tumoren oder wenn die ERCP erfolglos bleibt, der Fall sein. Dann kann eine Operation notwendig werden. Dies kann eine laparoskopische Operation (Schlüssellochchirurgie) oder in komplexeren Fällen eine offene Bauchoperation sein, um die Blockade zu beseitigen oder betroffene Abschnitte der Gallengänge zu entfernen.
Behandlung der Grunderkrankung: Der Schlüssel zum langfristigen Erfolg
Die alleinige Beseitigung der Blockade ist oft nur ein Teil der Lösung. Der Schlüssel zum langfristigen Erfolg liegt in der Behandlung der zugrunde liegenden Ursache. Bei Gallensteinen bedeutet dies häufig die Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie), um zukünftige Steinbildung und -wanderung zu verhindern. Bei Tumoren ist eine entsprechende onkologische Therapie unerlässlich. Nur durch die Behandlung der Grunderkrankung kann ein erneuter Gallenstau verhindert und die Gesundheit nachhaltig wiederhergestellt werden.
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Wann Sie bei Verdacht auf Gallenstau unbedingt zum Arzt müssen
Checkliste der Alarmsignale: Diese Symptomkombinationen erfordern sofortige Abklärung
- Starke, plötzliche Schmerzen im rechten Oberbauch, eventuell mit Ausstrahlung in Rücken oder rechte Schulter.
- Deutliche Gelbfärbung der Haut und/oder des Augenweißes (Gelbsucht).
- Dunkler, bierbrauner Urin in Kombination mit hellem, lehmfarbenem Stuhl.
- Starker, generalisierter Juckreiz, der nicht nachlässt.
- Fieber und Schüttelfrost, besonders in Verbindung mit Oberbauchschmerzen und Gelbsucht (Hinweis auf Cholangitis).
- Anhaltende Übelkeit und Erbrechen, insbesondere wenn sie mit anderen genannten Symptomen einhergehen.
- Wenn Sie eine deutliche Fettunverträglichkeit bemerken und Verdauungsbeschwerden haben, die neu auftreten oder sich verschlimmern.
Ihr nächster Schritt: Welcher Arzt ist der richtige Ansprechpartner?
Bei Verdacht auf einen Gallenstau ist Ihr erster Ansprechpartner in der Regel Ihr Hausarzt. Er kann eine erste Einschätzung vornehmen, die notwendigen Blutuntersuchungen veranlassen und eine Überweisung zu einem Spezialisten ausstellen. Je nach Schwere der Symptome und den ersten Befunden wird dies meist ein Gastroenterologe (Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen) oder ein Chirurg sein. Bei plötzlichen, starken Schmerzen, hohem Fieber oder deutlicher Gelbsucht sollten Sie nicht zögern, umgehend einen Notarzt zu rufen oder die Notaufnahme eines Krankenhauses aufzusuchen. Schnelles Handeln ist hier entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.
